Dienstag, 1. September 2009

Freitag, 4. August 2000 @ 13:17:35

Von: ursula-maus@tkun.de
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Loyalität Deluxe

Hallo Charly,

wieder zurück in Berlin ist der Brief an Dich bereits in Arbeit ... ich habe die Rückfahrt nämlich genutzt um meinen Mann in den Plan einzuweihen! Ich bin mir nicht sicher, wie ich meinen Mann augenblicklich betrachte, auf jeden Fall bekommt er meine Loyalität Deluxe zu 100%. All das sage ich ihm täglich, aber es ist ihm wirklich ungeheuer wichtig.
Willst Du Dich mal wirklich wundern?

Er ist im Vorstand der PDS, einer der sogenannten leidenschaftlichen " Hobby- Politiker", sitzt deshalb sogar im Berliner Abgeordnetenhaus und wurde immerhin nach vier Jahren wiedergewählt. Gerade will er sich in der PDS um einen Direktwahlkreis für die Wahl zum 15. Bundestag bewerben und ich habe ihm seine Rede geschrieben - ist das Loyalität oder was?!
Er tut das alles für eine Partei, mit der ich mich inzwischen arrangiert habe, obwohl man nie weiß, wie sich die "Alten" entscheiden werden, mein Mann hat ihnen oftmals zu realistische und "reformerische" Ideen.

Danke für die Ermutigung für später und gewisse Vorhaben, ich werde mich auf Dich und auf mich verlassen!

Ich schreibe jetzt den Brief!

Bemerkenswerte Grüße

Uschi

Donnerstag, 3. August 2000 @ 09:17:52

Von: charts@charlydavidson.com
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Nur nichts überhasten

Liebe Uschi,

verstehe bitte, daß ich unser Sprach-Spiel nicht durch dumme Fehler verlieren möchte; auch nicht durch intelligente Fehler oder überhaupt.

Leider hatte ich heute in Erfurt zu tun, weswegen der gutgemeinte Anruf ausfallen muß. Unsere Weltraumausflüge müßen wir also auf später verschieben, auf Zeiten wo wir uns alleine genügen.

Da ich jetzt weiß, was mein Alter Ego mit sich herum trägt, wird mein Alter Ego bald auch erfahren, was ich mit mir herum trage. Nur soviel vorweg: Disziplin heisst für mich ...

... niemals wegrennen und alles stehen und liegen lassen. Meine Familie steht für mich (vielleicht) manchmal nicht an erster Stelle - mea Culpa -, aber sie im Stich lassen: "Nein!" - Da könnte ich mich sonst nicht mehr im Spiegel ansehen.

Aber ich habe Dir auch mal versprochen, Dich immer ernst zu nehmen; auch in diesem Punkt gilt das. Wir müssen trotzdem nicht immer sehen, wie wir uns gelegentlich treffen können, und sind uns damit trotzdem selbst treu.

ChD

Donnerstag, 3. August 2000 @ 08:52:48

Von: ursula-maus@tkun.de
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Diszipliniertes und nicht-eigentlich Diszipliniertes

Guten Morgen Charly,

es ist von großem Wert eine Tränenschwesterin zu haben, selbst wenn sie einem ernsthafte Blicke und Fragen zu wirft - wußtest Du das schon?! So konnte ich diurch sie meinen Leipzig-Besuch um einen ganzen Tag verlängern, den wir aber nicht in Leipzig verbringen werden, sondern in Gera (Du siehst, es hat Vorteile wenn Frauen in Autohäusern arbeiten und Kraftfahrzeuge persönlich an Kunden auszuliefern haben).

Wir werden also heute für wenigen Stunden in Deiner Nähe sein und wenn Du doch mal 2 ungestörte Minuten finden könntest, um mich so etwa ab 14 Uhr 30 mal anzurufen, wäre Dir Dein zwar Mut fühlendes, aber trotzdem für ermutigende Worte empfängliches Alter Ego dankbar. Vielleicht sieht man sich ja, zufällig und ohne Tränenschwester.. Vielleicht will ja Dein Hund unbedingt mit Dir raus oder so?)

Ein Alter Ego zu finden ohne es gesucht zu haben, ist eine absolut neue, völlig unerwartete Situation für mich. Du bist innerhalb von wenigen Tagen/Wochen sehr wichtig für mich geworden. Ja, ich brauche Dich - daß Du schreibst, wir brauchen uns, hat mich tief berührt - aber ich brauche Dich anders als uns nahe- oder fernstehende Menschen vermuten würden.

Als ich Deine E-mails der vergangenen Tage gestern noch mal las, (übrigens im Bett vor dem Einschlafen, was wiederum weder so noch so falsch verstanden werden sollte), sind mir noch drei Dinge auf-/eingefallen:
1.) Mein Lieber, ich folge Dir nicht blind, sondern sehend!
2.) Ich möchte Dir nicht leid tun, ich bin nämlich nicht nur diszipliniert sondern auch stolz, aber ich fühle mich niemals mitleiderregend.
3.) Ein Mann, der Frau zum Lachen bringen kann, ist etwas ganz besonderes! - Weißt Du, daß ich einige Dinge, die Du mir erzählt - resp. beigebracht - hast nie wieder vergessen werde? Deine Literatur-Dienstleistung kannst Du zum Patent anmelden, ich liebe ES, wenn Du mir Deine Geschichten und Texte schreibst. Deine schweigenden Server zum Beispiel haben mich mitten in's Herz getroffen. Also schreib bitte weiter für mich!

M (eine) F (reundschaft ist Dir auf ewig sicher)
G (roßherzogin Ursula von Mausitanien)

Mittwoch, 2. August 2000 @ 22:00:28

Von: charts@charlydavidson.com
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Hier ist die Antwort

Hallo Uschi,

entschuldige, daß Du warten mußtest, obwohl die Kosmonautin sich doch eine schnelle Mittagspausen-Antwort von ihrem respektablen Rocksternenfahrer erwartete. Im Moment habe ich recht stressige und lange Tage im Studio und da fehlt einem das Sprachspiel schon sehr und eben manchmal auch die richtige Zeit für eine richtige Antwort.

Danke für Deine Offenheit. Ich hatte im kleinen bescheidenen literarischen Rahmen getan, was ich konnte. Und dann kommst Du mit der Geschichte Deines Vaters ... was soll ich sagen (und konnte es aus Zeitgründen noch nicht einmal):

Diese Geschichte - Whouw! - Wie tust Du mir leid. Unweigerlich und unabänderlich. Aber ich denke, wenn man sich mit seinem Alter Ego über diese Dinge austauschen kann, dann könnte man vielleicht doch einen Weg finden diese Abgründe der Seele -noch dazu nicht von einem selbst verursacht; jedoch von einem selbst zu hüten- unweigerlich abänderlich zu machen. Klingt kompliziert und ist auch so (...doch dazu später).

Ich bin absolut überzeugt, daß ich ebenso wie Du gehandelt hätte. Umso mehr bewundere ich Dein Vertrauen in mich. Du hättest allen Grund der Welt gehabt, mir zu mißtrauen, aber ich denke, Dein “Mich/Dich wundert in unserer Beziehung nichts mehr!” ist der Schlüsselsatz der Geschichte.

Für mich ein weiterer Beweis, daß unsere Lebens(Umfeld)schleifen fast schon wie EINE DNS verwoben sind. Für Dein Alter Ego ist sowas nur ein Klacks. - Meine Liebe: Die wichtigsten Dinge unserer Beziehung - sozusagen der Grundstein oder besser noch: die Wurzeln - wurden wohl viel früher gelegt; von wem, das werden wir schon noch rauskriegen.

Muss ich heute mehr sagen?

ChD

Dienstag, 1. August 2000 @ 22:12:28

Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Meine Schulweisheit ließ es sich nicht träumen

Sehr geehrter Herr Korff,
hallo Charly,

ich war sprachlos, sprachlos, sprachlos. Mein, unser, Serverproblem - poetisch gelöst. Der Text ist absolut perfekt, die gewählten doppel- und dreifachsinnigen Formulierungen ... unglaublich.

Du weißt: man soll keine schlafenden Hunde wecken...aber wenn Du noch mehr solche E-mails schreibst...dann schreib sie am Besten an unsere 'kulturecho' Adresse. Wir leeren dann dort jeden Tag unser Körchen und gut ist...( resp. 'was gut ist')

Die Kosmonautin erhofft eine schnelle Mittagspausen-Antwort und wird Dir nach einer kurzen Gedanken- Salat- Sortierung mit muskalischer und textlicher Unterstützung durch einen respektablen literarischen Rocksternenfahrer einen längeren Brief senden.

U.

N1: Morgen Abend wird die Post aus dem tkunde- Ordner gelesen und Post an das Kulturecho ausgeliefert!
N2: Wir fahren Samstag Vormittag.
N3: In der Anlage findest Du eine Geschichte von mir / über mich / aus meinem Innersten heraus erzählt ... bitte ließ sie dir gut durch, dann verstehst Du meine inneren Verletzungen besser.

Dienstag, 1. August 2000 @ 19:44:52

Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Reine Serversache

“Treten Sie ein, legen Sie Ihre Traurigkeit ab, hier dürfen Sie schweigen.” (Reiner Kunze) - “Jetzt ist's aber gut!” (ChD)

Liebe Frau Maus,
hallo Uschi,

daß der große Plan in Kürze in die Realisierungsphase eintreten wird, ein offizieller Brief (...das kenn ich doch irgendwo her; ich glaube das soll so ein flaches viereckiges Ding sein, mit einer Marke drauf) nach Jena unterwegs sein wird, dem sogar der Firmenstempel aufgedrückt wird, macht mich ausgesprochen froh (... ist die Realisierungsphase eigentlich eine Partei, eine Bewegung oder ein neues Stockwerk; wir sind übrigens schon im 5. Stock, so konnte ich gestern lesen).

Übe Du einstweilen weiter, Deine weit geöffneten Augen nicht so weit zu schließen; die weit geschlossenen Augen braucht Du für andere Zwecke, denn in Kürze geht es in den Urlaub und da hast Du Dir Deine Träume redlich verdient.

Da die Server seit einiger Zeit ihren Widerstand aufgegeben haben möchte ich Dir hier noch ein paar Zeilen mit auf den Weg geben: DEINE ZEILEN

“DAS SCHWEIGEN DER SERVER

Wenn Mädchen mit furchtbar guten Noten schreiben,
dann haben die Server zu schweigen.

Doch wenn die Server mit furchtbar guten Mädchen schweigen,
dann wird Warten zur Qual und zur Probe auf’s Exempel,
das zu statuieren dem Verstand bisher verwehrt schien.

Schreiben kann man da, soviel man will -
was wirklich zählt ist das Schweigen der Server.
Und die Ungewissheit
ob es daraus je eine Erlösung geben wird.”

Du siehst: Es muss nicht immer sachlich sein, was geschrieben wird, wenn es nur ein Kulturecho ist. Wichtig ist die Inspiration, die Idee, die Muse. Alles andere geht von selbst. Hüben wie drüben der Mattscheibe. – Die Form ist längst nicht entscheident. Ent-Scheident ist das Alter Ego.

Damit wir uns aber nicht falsch verstehen hier noch ein kleinen Tipp von mir: “Verlasse Dich niemals ganz. - Wer auf Höhenflüge geht, der braucht bei seiner Rückkehr festen Boden unter den Füßen, am besten in einem sicheren Hafen.”

Höchstachtungsvoll

ChD

Nachtrag:
1.) Wann genau geht Ihr in Urlaub?
2.) Wo bleibt das Wochenthema?
3.) Soll ich immer noch alles an ursula-maus@tkunde.de schicken?

Dienstag, 1. August 2000 @ 11:39:37

Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Es kann losgehen

AE,

vielleicht treffen sich ja GEB-Schleifen auch auf Umwegen, genauso wie sie sich an bestimmten Punkten bestimmt treffen.

Der Versuch, die Verbindung zur eklektischen Welt auch ohne Server herzustellen, ist in einer Schleife gelungen - es folgt der Versuch, die endlose Schleifenverbindung in Richtung Jena auf Umwegen fortzusetzen.

Der große Plan ist in die Realisierungsphase eingetreten, noch vor dem Dänemark-Urlaub, der am Wochenende beginnt (ich habe jetzt schon mit meinen Tränen zu kämpfen - die fliegenden Birkenpollen und andere, Du verstehst?!) wird ein offizieller Brief nach Jena unterwegs sein, sogar mit Firmenstempel.

Ursula Maus
U-MA, Berlin

PS: "...triffst du dein Alter Ego in Zeit und Gelassenheit, in universellem Vertrauen und endlosen Schleifen - dann wird alles wie von selbst gut"