Dienstag, 1. September 2009

Dienstag, 22. August 2000 @ 21:47:41

Von: ursula-maus@tkun.de
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Lesesucht

Hallo Charly,

glaubst Du denn wirklich, nach zwei Wochen Hochleistungsdisziplin würde meine Kraft noch reichen, um meine Post zugeteilt zu lesen?! Ich hatte gestern die Chance, mir alle Mails noch auszudrucken und habe sie heute morgen um 6. 30 Uhr gelesen, aber artig in der von Dir vorgeschriebenen Reihenfolge.

Besonders berührt hat mich Dein Besuch bei Uma Thurfrau, sie hofft übrigens sehr, daß ein solcher Besuch auch bald stattfindet, wenn sie anwesend ist. Der von Dir erwähnte Bus wird von ihr seit heute wieder zweimal alltäglich benutzt.

Er fährt sie bis zum S-Bahnhof, dann steige Uma in die S-Bahn ein und fährt bis zur Warschauer Straße, dann sind es nur noch zwei Stationen mit der U-Bahn und sie ist in Kreunzberg.

Falls ich mal wieder nach Kreuzberg komme, werde ich mit meiner Schulleiterin über eine beabsichtigte Unterszützung reden. Ich habe so eine Ahnung, daß ein wundervoller Herbst voller Wunder auf mich und Uma wartet.

Für heute wünsche ich Dir gute Nacht, schlafe schön und gut versichert – ab morgen gibt es wieder längere Mails!

Viele Grüße von endlich wieder heftig lächelnder Uschi!

Montag, 21. August 2000 @ 23:51:47

Von: charts@charlydavidson.com
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Kofferhoffer

“Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin” (Alte Binsenweisheit)

Hallo meine Liebe,

Du solltest doch nicht so hastig lesen, aber was sehe ich da. Es ist also nicht falsch, Dich als lesesüchtig zu bezeichnen .. aber denk daran: Soviel wie Du lesen kannst, kann ich noch lange nicht schreiben.

Andererseits, als Du im Ausland warst, habe ich für Dich in Berliner Blättern geschmökert. Was dabei herausgekommen ist, findest Du hier:

DER BERLIN-JOKER SUCHT B-DV 1654

Der Berlin-Joker sucht B-DV 1654
Super! Heute Schumi in Berlin (Wann und wo) ... Seite 38

Gesteinigt (Seiten 2/3) Mazedonien: Brite erster NATO-Toter; Ian Collins (22)
Surfiger ab 1,9 Pf / Min.
Der deutsche Soldat in seiner Mazedonien-Uniform. Herr Scharping, wie sicher sind unsere Soldaten?
Die große Auswahl und die grosse Frische: Ulrich, Partner der HIT-Gruppe.
Krebs-Angst (durch Todesfasern): Erste Berliner Turnhalle zu.
Wie fit sind unsere Schulen?
(Liegestütze auf dem neuen Parkettboden der Jahn-Sporthalle in Neu-Kölln: Peter Strieder und Klaus Bröger prüften gestern den Stand der Schulsanierung)
Fleischabholmarkt: Lecker, Top, Frisch 1A
Mord im Streichel-Zoo: Verbrannt um Mitternacht. Angela Schleicher tröstet Kevin und Sophie: Einen Tag zuvor spielten die Kinder noch mit ihren Lieblingen
BZ sucht Sommer Luder! Jessica, 19: Ich bin das Military-Luder. Tarnfarben ist nicht nur ihr Look: Auch die Augen von Jessica sind grün-braun. Ganz schön sexy.
Neu im Radio: Berliner Rundfunk 91.4. Classic-Hits und vom Neuen das Beste
...und das sind die krassesten Matten der BZ-Leser
Gesucht! Der schönste Bär der Stadt
Wo ist die Hose?
Katze schrieb ihren 7. Krimi
Weniger ist manchmal mehr.
Sie sprangen im Namen des Teufels.
Biene Maya erpresste Hans Meiser.

Das, meine Liebe, ist Literatur auf Welt-Stadt-Niveau!

Bis morgen.

Charly

Montag, 21. August 2000 @ 16:20:49

Von: ursula-maus@tkun.de
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Seelenverwandschaft

Hallo Charly,

die Lebenden haben ich wieder. Gestern Abend hatte ich natürlich keine Zeit, um meine Rückkehr zu vermelden und ich mußte bis eben warten, bis ich ungläubig staunend Deine Mails fand.

Es ist Dir gelungen, mich vollständig zu erschüttern - daß WIR BEIDE die selbe Idee hatten! Du schriebst mir E- Mails und ich Dir Briefe – mein Lieber, das ist wahre Seelenverwandschaft!

Ich kann mich nicht erinnern, daß mir irgendjemand jemals so ein Geschenk gemacht hat - nein, ich weiß es genau, daß mir das noch nie passiert ist. Glaube mir, es fehlen mir die Worte, mir fallen nur unaussprechliche ein!

Rudolf fuhr eben nach Hamburg ab, da hatte ich endlich Gelegenheit um den Kulturecho- Song zu hören resp. lesen.

Den Leuchtturm findest Du am Nordseestrand Westjütlands, genau zwischen Nordsee und Ringköbingfjord , zwischen Söndervig und Hvide Sande - aber Du mußt ihn jetzt nicht mehr suchen, er hat hoffentlich seine Pflicht erfüllt und Du hast das Leuchtfeuer empfangen. (Der Poststempel hat Dich etwas verwirrt, ich habe die Post in den königlich dänischen Briefkasten in Kolding geworfen, als wir Steffi vom Bahnhof abgeholt haben.)

Vielleicht kann ich heute Abend noch mal schreiben.

Bis (hoffentlich) später!

Uschi

Nachtrag:
Und noch so ein kleines Wunder ist gestern geschehen: Als Du Deine Samstag- E- Mail an mich auf den Weg schicktest, überquerte ich gerade die Grenze! Eigentlich glaube ich ja nicht an Wunder, aber an Bestimmung und manchmal geschehen dann wohl doch Wunder!

Sonntag, 20. August 2000 @ 12:33:22

Von: charts@charlydavidson.com
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Das solltest Du zuerst lesen!

"Ich werde tapfer und diszipliniert sein und mich auf alles freuen, was nach dem Urlaub kommt!" (Ursula Maus) - "Dazu hast Du auch allen Grund!" (PUCK)

Hallo U.,

es ist Samstag, der 20. August 2000 und während Du im Sandland packst, denkst Du wieder an mich; daran, wie lange es noch dauert, bis Du an den Computer kannst um zu sehen, was der Urlaub Dir gebracht hat. Und dann, wenn Du es siehst, willst Du die Ernte auch einfahren, bevor es regnet.

Am liebsten tätest Du es erst, wenn Dein Mann abgefahren ist,... (...eine wirklich abgefahrene Idee, meine Liebe. Vor allem, wenn er noch so lange bleibt!...), ...aber dann siegt doch die Unvernunft.

Es ist nicht wenig, was die letzten 14 Tage Dir an Post gebracht haben; nichts weltbewegendes, vielleicht zu viel um es hastig zu verschlingen ohne Bauchweh zu bekommen. (Bauchweh nur wegen der Menge - nicht wegen des Inhaltes)

Auf jeden Fall zu viel, um unentdeckt zu bleiben – und das wollen wir ja beide. Also: Jeden Tag machst Du eine Mail auf und anfangen solltest Du natürlich mit der Ersten ("Kilians kleine Fluchten") und so weiter. Die Reihenfolge des Verschickens ist massgeblich und der angegebene Wochentag. Bei den Zahlendaten habe ich mich manchmal geirrt. Wenn Dein Mann abgefahren ist (...ich meine: im wörtlichen Sinne...), dann öffne die Mail vom 30. August.

Obwohl ich morgen viel zu tun habe, versuche ich morgen Abend in meinen E-Mail-Postkorb schauen. Spätestens ab Sonntag Mittag, spätestens Montag geht alles wieder seinen gewohnten Weg und ich stehe für Dich bereit.

Und jetzt bist Du dran: Wo ich die Verfasserin einer Postkarte, abgestempelt im Postcenter Syd Jylland, finde, ist mir klar. Wo aber finde ich den Leuchtturm “Nr. Lyngvig Fyr”? Womöglich in Lyngvig?

C(haos) h(ilft) D(änemarkrückkkehrerinnen)

...und als Nachschlag ein neuer Song von mir für Dich:

ALLES IST FÜR MICH NUR HALB SO SCHLIMM

Nun wart ich schon Wochen und ich denke zu lang
Und ich schreib dir Geschichten - es ist wie ein Zwang.

Schon wieder dreh ich die Sanduhr und ich dreh sie nicht gern
Denn ich hör ihre Geschichten von nah und von fern.

Lange Selbstgespräche führ‘ ich beim Hundeausführn
uUd der Hund, der muss denken: Weshalb passiert so was mir?

Mein Energiebündel, das ist schon lang nicht mehr voll
Und mein Ersatz-Alter-Ego das ist auch nicht so toll, doch

Das alles ist für mich nur halb so schlimm
Das alles ist für mich nur halb so schlimm
Ah-hah-hah-hah ah-hah-hah-hah,
Weil ich in meinen Gedanken immer bei dir bin

(Siehst Du - es hilft: Wenn Du das ließt, bist Du schon da!)

Samstag, 5. August 2000 / Samstag, 19. August 2000

Die E-Mails von Charly Davidson an Ursula Maus von Samstag, den 5. August 2000 bis Samstag, den 19. August 2000 enthalten literarische Texte, die er für sie schrieb und die damit keine wirklichen E-Mails sind.

Einige von Ihnen wurden von Charly in seinem Ende Dezember 2000 erschienenen Buch "Fanwärme" veröffentlicht. Im Apfelfass sind sie nicht enthalten gewesen!

Der Autor von "CHARLY DAVIDSON - Rocklegende" im August 2009

Freitag, 4. August 2000 @ 19:42:20

Von: ursula-maus@tkun.de
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Versuch die Wolken wegzuschieben

"Ohne Perfektionsanspruch nach einer Lösung suchen und sie auch zu finden wissen, ist vielleicht die wahre Lebenskunst." ( Uschi Maus)

Hallo Charly,

jetzt habe ich auch mal als Mail-Titel was Doppelsinniges gedichtet: eine Aufforderung und ein Statement. Wenigstens etwas Schönes. Das befreit mich allerdings nicht von meinem riesigen Problem, das ich bis zum 20. August habe und ich weiß überhaupt nicht, wie ich damit fertig werden soll, aber ich muß es irgendwie.

Dabei kannst Du mir wenig helfen, obwohl ich weiß, daß Du es versuchen würdest! Ich werde Dich nicht danach fragen, weil männliche Sichtweisen mir an dieser Stelle nicht helfen können. Aber gib mir lieber keine klugen und gut gemeinten Ratschläge mehr!

Wenn ich meine Familie durch Dänemark führe, werden Deine Reisetips, die allgemeinen und die speziellen, mich leise und weise lächeln lassen und ich werde so heftig an Dich denken, daß Du es bis nach Jena hören kannst. Und natürlich werde ich Dir erzählen, was ich entdeckt habe - falls das dann noch nötig ist, ich rede inzwischen täglich in meinen Gedanken mit Dir, vielleicht kannst Du einiges davon hören.

Wahrscheinlich werde ich Deine letzte Vor-Urlaubsmail morgen früh lesen können, aber ich weiß noch nicht, wann ich die letzte Vor-Urlaubsmail an Dich schreiben kann, wenn überhaupt.

Ich sende Dir ganz viel Bemerkenswertes für die nächsten endlosen Tage!

Deine Uschi

Freitag, 4. August 2000 @ 13:52:41

Von: charts@charlydavidson.com
An: kulturecho@aol.com
Betreff: Unvergessener Vortrag

Liebe U.,

heute hast Du das grosse Glück, daß ich Dir spontan und schnell antworten kann; in wenigen Minuten bin ich wieder in meinen Tagesablauf eingebunden mit Terminen und Dingen die unvergesslich sind, denn es wäre unverzeihlich (für die anderen) wenn ich sie vergessen würde. In meinem Job als Leiter eines großen Verwaltungsbereiches (Straßenausbau) sind das die Pflichten des Broterwerbs; die Kür besteht darin, dass ich selbstverständlich in dringenden Fällen auch in den Aussendienst gehen muss, was ich am nächsten Dienstag auch tun werde. Dazu ist es notwendig, mit dem Auto in die betreffenden Straßen zu fahren um nachzuschauen, was dort im Argen liegt.

Daß Du morgen früh von Berlin wegfährst ins Sandland ist auch für mich nicht lustig; anderererseits kannst DU mir auch dort einen kleinen Gefallen tun (... und ich Euch auch).

Hier sind meine speziell alternativ-egoistischen Urlaubstipps:

Seit Ende der sechziger Jahre war ich mehrmals in Dänemark. In der Erinnerung blieben die Besuche in Kopenhagen (siehe die allgemeinen Reisebeschreibungen) -wer jemals die Meerjungfrau gesehen...- und in Grenen, dem nördlichsten Punkt Dänemarks, da wo Nordsee und Ostsee, Skagerak und Kattegat zusammenfinden, sozusagen Ost und West, und man sieht sie sanft miteinander ringen. Dort gibt es (hoffentlich noch) eine Traktor-Bahn, den “Sandormen”, mit dem elfjährige Jungen (...das kannst Du mir wohl glauben...) gerne zum nördlichsten Punkt Dänemarks mitfahren würden, aber es nicht durften. Vielleicht gelingt es Euch, diesen Makel zu beheben. Wenn ja: Bringe mir von dort vielleicht etwas mit.

In Roskilde prägte sich der Hafen ein, der alte Mann mit seinem Geschäft für “Fiskeboller”, der Junge mit der Brille, der nur Geld hatte für eine einzige Fischfrikadelle (...was war die köstlich...) und auf dem Rückweg von eben diesem Fischer, der sein Geschäft gerade schliessen wollte, noch fünf restliche Fiskeboller dazu geschenkt bekam.

In (schmerzlicher) Erinnerung blieb auch das blinde Vertrauen in den Vater, der versprach, daß Fischpudding genauso köstlich schmecken würde wie ‚echter‘ Pudding und die anschließenden R-fahrungen mit Magen und Verdauung inklusive dem netten Spruch: “Was man angefangen hat, das wird auch zu Ende gegessen!”.

In Hirtshejde gibt es einen Naturpark in dem die Bewohner wie in der Steinzeit leben. (Dieser Satz aus den allgemeinen Reisetipps stammt von mir und ich hoffe, dass nun sowohl die Schreibweise als auch die Location stimmen: Das Steinzeitdorf ist wahrscheinlich in Nordjütland.) - Als kleiner Junge war ich begeistert von den Steinzeitmenschen.

An des Westküste Jütlands gab es die leckersten Blaubeeren, die ich jemals gegessen hatte.

In diesem Sinne, warte auf Deine morgige Morgenpost. Wenn's mit dem Lesen nicht klappt, dann wünsche ich Euch einen tollen Urlaub und ich denke, daß Du mich nach Berlin denken gehört hast und ICH GLAUBE AN ZUFÄLLE - also sieht sich oder hört voneinander auch in großen Distanzen voneinander.

ChD