Von: ***-****@********.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Taschentücher und andere Wein-Seligkeiten
Hi Charly,
ich finde mich wirklich "großartig": Ich habe es tatsächlich bewältigt mit einem fremden Rechner, einem anderen Mail- Programm und leicht wein-selig erheitert, Dir eine zumindest halbwegs verständliche E-mail zu senden.
Du hast recht, wenn Du mich daran erinnerst, daß es Frau Doktor ja gut geht. Ich empfinde das auch so, aber es ist traurig zu sehen, wie sehr ungelebte Träume Menschen das Leben verbittern können. und erst recht, wenn sich jemand das Leben so verbittern läßt - das sind m. A. n. zwei verschiedene Dinge. Mich trifft es in diesem Falle deshalb so, weil wir uns mal so nahe standen. Also Blues, auch "unmusikalisch" betrachtet, ist schon das richtige Wort!
Deine Worte an meine beste Freundin Petra werden übermittelt!
Unsere "Tränenschwesterschaft", die durchaus mit "Blutsbrüderschaft zu vergleichen ist (auch wenn wir sie nicht über der untergegangenen "Titanic" beweint/besiegelt haben), ist immerhin schon beinahe 20 Jahre alt und hat eine große Menge an Taschentüchern erfordert, inklusive von jeder Menge Lachtränen.
Letzteres können wir großartig, wir sind in der Lage selbst ohne fortgeschrittenen Alkoholgenuß so viel sprachliche Verwirrung zu produzieren, daß es für Wochen reicht. Bestimmte Wortschöpfungen sind so herausragend, daß sie sozusagen in die Geschichte unserer Beziehung als geflügelte Worte eingehen; z. B. haben wir mal übereinstimmend festgestellt, daß uns "mit gar nichts zu ohne ist", vor allem der tiefe Sinn, der dahinter steckt!?
Gestern steigerte sich Petra , nach dem ersten (oder war es das zweite?) Glas aus der zweiten Weinflasche beim Versuch der Beschreibung ihrer neuen Verwandtschaft nur bis zur "Zwillingsschwesterin ihrer Schwägerin". Das hat uns für den Rest des Abends so beschäftigt, daß Petras Mann vor unseren albernen Höhenflügen die Flucht ergriffen hat, mit der Ankündigung, er würde jetzt als Kontrastprogramm im Bett Nietzsche lesen, worauf ich lauthals zu kichern angefangen haben soll, wie Petra mir heute morgen berichtete, wahrscheinlich weil: DER und Nietzsche!!!!!
Du merkst, mir fehlt heute immer noch die ernsthafte Contenance, ernsthafte E-mails zu produzieren und Du kannst jetzt zu sehen, wie Du mit einem solchen Maß an Albernheiten umgehst. (Übrigens ist Petras Verwandschaft deshalb neu zu beschreiben, weil sie die Freundin ist, die ich vor ein paar Wochen "verheiratet" habe - es ihr 2. Versuch!)
Ich habe gestern - noch vor dem Wein! - ganz vorsichtig unsere merkwürdige Story erzählt und mußte mir einen ganz ernsthaften Blick von Petra gefallen lassen (NUR KEINE PANIK: ich erzählte ihr nicht wer WER Du bist!!!) - ich weiß überhaupt nicht, womit ich mir den verdient habe?! Nach DER Nacht in Leipzig bestimmt nicht.
Also: nach mehreren ernsthaften Anstrengungen ist es mir gelungen, ihr zu vermitteln, daß es überhaupt keinen Grund für ganz ernsthafte Blicke gäbe , woraufhin sie die Geschichte total verrückt fand und meinte, sie hätte mir ja schon immer gesagt, ich sollte endlich mehr aus meiner Sprachsucht machen. - Ist das nicht toll?
M(öglichkeiten) f(ür) G(rüße) fallen mir manchmal nicht mehr ein,
Dir dafür um so mehr; ich werde es üben!
Uschi
Original-E-Mails zwischen Charly Davidson und Ursula Maus, bekannt aus dem Buch "CHARLY DAVIDSON - ROCKLEGENDE" | Auszugsweise Veröffentlichung der E-Mails mit ergänzenden Bemerkungen | © 2009 bei Rainer W. Sauer | Sämtliche Urheberrechte sind vorbehalten! / www.worteundmusik.de
Mittwoch, 26. August 2009
Mittwoch, 26. Juli 2000 @ 20:32:19
Von: ***-****@********.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Nachrichten aus Klein Paris
Hallo Charly,
ich schicke Dir heute eine erste Mail aus Klein-Paris und hoffe, sie kommt bei Dir auch an.
Es gibt eine wesentlich einfachere Variante für unseren E-mail- Kontakt in meiner Leipzig-Woche, die zumindest mich nicht in Computer- Probleme stürzt. Du könntest Deine Mails in diesen Tagen einfach an die E-mail-Adresse meiner Freundin schicken (siehe oben; falls nicht hier noch einmal: ***-****@******.de!).
Am besten, Du rufst mich an, wenn irgendwas schiefgeht - ich finde es doch sehr ungewohnt, mit einem fremden Computer zu schreiben. Ich versuche es, aber betrachte eventuelle Fehlschläge bitte mit Nachsicht!
M(eine) f(röhlichen) (Mittwochabend)- G(rüße)
für Charly...
...von Uschi, die nach einer Flasche Wein mit bester Freundin schon nicht mehr so klar denken bzw. schreiben kann!
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Nachrichten aus Klein Paris
Hallo Charly,
ich schicke Dir heute eine erste Mail aus Klein-Paris und hoffe, sie kommt bei Dir auch an.
Es gibt eine wesentlich einfachere Variante für unseren E-mail- Kontakt in meiner Leipzig-Woche, die zumindest mich nicht in Computer- Probleme stürzt. Du könntest Deine Mails in diesen Tagen einfach an die E-mail-Adresse meiner Freundin schicken (siehe oben; falls nicht hier noch einmal: ***-****@******.de!).
Am besten, Du rufst mich an, wenn irgendwas schiefgeht - ich finde es doch sehr ungewohnt, mit einem fremden Computer zu schreiben. Ich versuche es, aber betrachte eventuelle Fehlschläge bitte mit Nachsicht!
M(eine) f(röhlichen) (Mittwochabend)- G(rüße)
für Charly...
...von Uschi, die nach einer Flasche Wein mit bester Freundin schon nicht mehr so klar denken bzw. schreiben kann!
Dienstag, 25. Juli 2000 @ 14:02:54
Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Zusage
Hallo Charly,
das "Betreff" sagt es: ich bin mit Deinem Vorschlag einverstanden. Nur über Ort und Zeit muß ich mir noch Gedanken machen. Um allen eventuell auftretenden Schwierigkeiten und Katastrophen, die immer dann eintreten, wenn man/ frau es nicht gebrauchen kann vorzubeugen: Du kannst mich einfach auf meinem Handy anrufen: ****/*******; aber bitte nur, wenn ich es für Dich freigebe. Augenblicklich benutzt es z. B. mein Mann, weil seines eine Macke hat und das neue noch nicht da ist - und das wären dann erst mal diplomatische Verwicklungen!
Wir könnten dann am Telefon auch genauer besprechen, was wir an diesem Tag dann gemeinsam unternehmen. Übrigens: Ich freue mich auf weitere E- mails!
M(it) (er)f(reuten) G(rüßen)
Uschi
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Zusage
Hallo Charly,
das "Betreff" sagt es: ich bin mit Deinem Vorschlag einverstanden. Nur über Ort und Zeit muß ich mir noch Gedanken machen. Um allen eventuell auftretenden Schwierigkeiten und Katastrophen, die immer dann eintreten, wenn man/ frau es nicht gebrauchen kann vorzubeugen: Du kannst mich einfach auf meinem Handy anrufen: ****/*******; aber bitte nur, wenn ich es für Dich freigebe. Augenblicklich benutzt es z. B. mein Mann, weil seines eine Macke hat und das neue noch nicht da ist - und das wären dann erst mal diplomatische Verwicklungen!
Wir könnten dann am Telefon auch genauer besprechen, was wir an diesem Tag dann gemeinsam unternehmen. Übrigens: Ich freue mich auf weitere E- mails!
M(it) (er)f(reuten) G(rüßen)
Uschi
Montag, 24. Juli 2000 @16:23:48
Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Nur nichts überstürzen
Hallo U,
ich finde auch, daß wir uns einmal näher kennenlernen sollten, aber - um in Deinen Sinne zu arumentieren - da müßte es schon einen guten Grund dafür geben und nicht einfach nur "so" ein Treffen. Lass Dir mal was einfallen. Auf jeden Fall kann ich derzeit nicht nach Leipzig, denn wir nehmen gerade in Jena das neue Album auf.
Dein Charly
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Nur nichts überstürzen
Hallo U,
ich finde auch, daß wir uns einmal näher kennenlernen sollten, aber - um in Deinen Sinne zu arumentieren - da müßte es schon einen guten Grund dafür geben und nicht einfach nur "so" ein Treffen. Lass Dir mal was einfallen. Auf jeden Fall kann ich derzeit nicht nach Leipzig, denn wir nehmen gerade in Jena das neue Album auf.
Dein Charly
Montag, 24. Juli 2000 @ 10:59:23
Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: E- mail- partnerschaftliche Be-Ratung?!
Hallo Charley,
danke - danke - danke - für sooo viel Einblick in ein fremdes Leben und dann auch noch gleich in zwei davon, noch dazu zwei, die ich so sehr verehre.
Aber nun zum profanen Leben. Übermorgen muß U-MA beruflich nach Leipzig, aber da dort meine Freundin Petra mit Mann und Sohn Steve lebt, kann ich bei ihr übernachten undmich ab und an über dessen PC hermachen ... soweit der Plan, da ich überhaupt uns so auch in Leipzig Deine Mails nicht vermissen möchte.
Wie ich Dir schon an diesem wunderschönen Abend sagte, schreibe ich alle Buchzitate in den Mails mit der Hand auf der Tastatur, verstünde ich, es mit dem Scanner umzugehen, hättest Du bereits ein "halbes Porträt" von mir!
Mit dem Wochenthema bin ich einverstanden!
Jetzt zur schwierigsten Aufgabe, die Du mir bisher gestellt hast, schwierig weil
a) alles, was ich Dir jetzt rate, kann total falsch sein und wer ist dann
schuld?!
d) ich mir bisher immer selbst treu geblieben bin ohne mir selbst treu zu bleiben
c) stecke ich allmählich (?) in ähnlichen Schwierigkeiten wie Du, die allerdings nur in so ferner
Nähe ähnlich sind, weil bereits Deine erste E- mail vom 12. Juni allgemeine, innerfamiliäre " Aufschreie" ausgelöst hat ( bis dato bekam ich nur selten E- mails, die immer eindeutig identifizierbar waren; mein Sohn Raik, den ich ahnungslos bat, nachzuschauen, ob ich Post hätte, quakte in den höchsten Entrüstungstönen:" Maaamaa!?")
Also ich kann Dir nur schreiben, was ich vorerst für eine Variante gewählt habe: Da auch mein Mann sehr mißtrauisch reagiert, wenn ich von anderen Männern erzähle, mit denen ich mich gut verstehe - bisher völlig unbegründet, es sei denn, er hätte da eigene Geheimnisse, die er auf mich projizieren würde, du lieber Himmel, ich wüßte nicht mal, ob ich damit ein Problem hätte!),
ich glaube, ich sollte einen neuen Satz anfangen, sonst komme ich aus diesem nicht mehr heil raus!
Ich habe mich vorerst damit erklärt, daß es für mich ausschließlich um das Schreiben an sich ginge, er weiß, daß ich schon lange mit dem Gedanken spiele, ein Buch zu schreiben. Nachdem ich ihn dann noch sofort von Deinem " outing" als Verheiratetem informiert habe, betrachtet er meine Computer- Aktivitäten mit vermutlich immer noch vorhandenem, aber stillen
mißvergnügten Mißtrauen.
Für mich ist das insofern schwierig, weil wir normalerweise eine sehr gesprächige, offene Ehe führen und meine vorsichtigen Versuche, ihm die freundschaftliche Ebene unserer E- mail- Beziehung deutlich zu machen nicht so erfolgreich sind. ( Wenn er jetzt auch noch wüßte, welche Ideen Du mir mit " Liedtexten schreiben" in den Kopf gesetzt hast!?)
Schlicht und einfach, lieber Karl David: ich habe keine Ahnung, was Du tun solltest, ob ich Dir meine Hilfe bezüglich Deiner Töchter anbieten sollte oder nicht, aber eine Idee:
Wir können doch einfach irgendwann mal bei einer persönlicheren Begegnung als nach den MDR-Dialog herausfinden, ob wir real so gut miteinander zurecht kommen wie virtuell. Funktioniert es, dann suchen wir nach einer allgemein verträglichen Lösung, unsere Partner mit einzubeziehen und ein " Familientreffen" zu testen. Kommen wir nicht miteinander zurecht, wäre es in meinen Augen unsinnig, vorher alle Beteiligten verrückt zu machen.
Nach der Qual, die mir diese komplizierte Frage jetzt bereitet hat, hoffe ich, nicht bis zum Wochenende auf Deine Reaktion warten zu müssen. Wie gesagt: Ich bin wieder mal in Leipzig!!!
M(ein Mann) f(ühlt ähnlichen) G(lauben)
Uschi
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: E- mail- partnerschaftliche Be-Ratung?!
Hallo Charley,
danke - danke - danke - für sooo viel Einblick in ein fremdes Leben und dann auch noch gleich in zwei davon, noch dazu zwei, die ich so sehr verehre.
Aber nun zum profanen Leben. Übermorgen muß U-MA beruflich nach Leipzig, aber da dort meine Freundin Petra mit Mann und Sohn Steve lebt, kann ich bei ihr übernachten undmich ab und an über dessen PC hermachen ... soweit der Plan, da ich überhaupt uns so auch in Leipzig Deine Mails nicht vermissen möchte.
Wie ich Dir schon an diesem wunderschönen Abend sagte, schreibe ich alle Buchzitate in den Mails mit der Hand auf der Tastatur, verstünde ich, es mit dem Scanner umzugehen, hättest Du bereits ein "halbes Porträt" von mir!
Mit dem Wochenthema bin ich einverstanden!
Jetzt zur schwierigsten Aufgabe, die Du mir bisher gestellt hast, schwierig weil
a) alles, was ich Dir jetzt rate, kann total falsch sein und wer ist dann
schuld?!
d) ich mir bisher immer selbst treu geblieben bin ohne mir selbst treu zu bleiben
c) stecke ich allmählich (?) in ähnlichen Schwierigkeiten wie Du, die allerdings nur in so ferner
Nähe ähnlich sind, weil bereits Deine erste E- mail vom 12. Juni allgemeine, innerfamiliäre " Aufschreie" ausgelöst hat ( bis dato bekam ich nur selten E- mails, die immer eindeutig identifizierbar waren; mein Sohn Raik, den ich ahnungslos bat, nachzuschauen, ob ich Post hätte, quakte in den höchsten Entrüstungstönen:" Maaamaa!?")
Also ich kann Dir nur schreiben, was ich vorerst für eine Variante gewählt habe: Da auch mein Mann sehr mißtrauisch reagiert, wenn ich von anderen Männern erzähle, mit denen ich mich gut verstehe - bisher völlig unbegründet, es sei denn, er hätte da eigene Geheimnisse, die er auf mich projizieren würde, du lieber Himmel, ich wüßte nicht mal, ob ich damit ein Problem hätte!),
ich glaube, ich sollte einen neuen Satz anfangen, sonst komme ich aus diesem nicht mehr heil raus!
Ich habe mich vorerst damit erklärt, daß es für mich ausschließlich um das Schreiben an sich ginge, er weiß, daß ich schon lange mit dem Gedanken spiele, ein Buch zu schreiben. Nachdem ich ihn dann noch sofort von Deinem " outing" als Verheiratetem informiert habe, betrachtet er meine Computer- Aktivitäten mit vermutlich immer noch vorhandenem, aber stillen
mißvergnügten Mißtrauen.
Für mich ist das insofern schwierig, weil wir normalerweise eine sehr gesprächige, offene Ehe führen und meine vorsichtigen Versuche, ihm die freundschaftliche Ebene unserer E- mail- Beziehung deutlich zu machen nicht so erfolgreich sind. ( Wenn er jetzt auch noch wüßte, welche Ideen Du mir mit " Liedtexten schreiben" in den Kopf gesetzt hast!?)
Schlicht und einfach, lieber Karl David: ich habe keine Ahnung, was Du tun solltest, ob ich Dir meine Hilfe bezüglich Deiner Töchter anbieten sollte oder nicht, aber eine Idee:
Wir können doch einfach irgendwann mal bei einer persönlicheren Begegnung als nach den MDR-Dialog herausfinden, ob wir real so gut miteinander zurecht kommen wie virtuell. Funktioniert es, dann suchen wir nach einer allgemein verträglichen Lösung, unsere Partner mit einzubeziehen und ein " Familientreffen" zu testen. Kommen wir nicht miteinander zurecht, wäre es in meinen Augen unsinnig, vorher alle Beteiligten verrückt zu machen.
Nach der Qual, die mir diese komplizierte Frage jetzt bereitet hat, hoffe ich, nicht bis zum Wochenende auf Deine Reaktion warten zu müssen. Wie gesagt: Ich bin wieder mal in Leipzig!!!
M(ein Mann) f(ühlt ähnlichen) G(lauben)
Uschi
Sonntag, 23 Juli 2000 @ 11:00:39
Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Es war meine Story
“2 und 2 = 22” (Strelitz)
Hallo kleine Maus,
das wirkliche Leben steckt voller Überraschungen. So geht es uns bisher bei unseren täglichen Berichten, so war Freitag Nacht ... und so ging es mir mit Mike Oldfield, wovon ich Dir ganz zu erzählen vergaß. Also, Ende 1980 arbeitete ich am ersten literarischen Kabarettprogramm “ICH GEBE ZU ... Bedenken” und hatte Probleme mit der Komposition eines Endlosstückes (Vorbild war der Mittelteil von Oldfields “Incantations”). Hier beginnt meine Oldfield-Geschichte:
Oldfield selbst hatte ich im Frühjahr 1979 in der Frankfurter Jahrhunderthalle live erlebt mit dem besten Bühnensound, den ich (bis dato und auch danach auf lange Zeit) jemals gehört hatte. Im Sommer 1979 arbeitete ich dann als einer der ersten Musiker in Deutschland mit der Rhythmusmaschine CR-68 von Roland und hatte größere Probleme mit der Funktionstüchtigkeit; kurz danach hörte ich diese Maschine auch bei Oldfields Produktionen. 1980 schrieb ich an Oldfield an, um mir Tipps für die Arbeit mit der neuen CR-78 zu holen ... und VIRGIN Records schrieben mir zurück, dass Herr Oldfield sehr zurückgezogen lebe und solche Fragen nicht zu beantworten pflege.
Anfang 1981 tourte Oldfield dann durch Europa und war im März in Offenbach am Main, der Stadt, in der ich lange gelebt hatte. Ich besorgte mir einen Reportageauftrag für die Zeitschrift “Musiker Music News” und die lokale Tageszeitung (war damit für die Tourleitung trotz meiner erst 23 Lenze ein ‚wichtiger‘ Mann), schnappte mir meinen Tontechniker Bobb Sanders und los gings ... und das war’s auch fast schon. Der Tourmanager sagte uns: “Das wird heute nichts mit dem Interview. Mike wurde in Holland eine Gitarre gestohlen, seine Lieblingsgitarre; er ist absolut schlecht drauf.” Dafür duften wir fotografieren.
Ich habe zwar neun von zehn Fotos vergeigt, aber das zehnte zeigt Mike tatsächlich mit einer Gibson-Gitarre anstelle seiner sonst üblichen Fender Strat. (Sehr selten! - Das Foto wurde später mehrmals von Musikzeitschriften bei mir nachgefragt.). Bobb war enttäuscht! Er schnappte sich das Aufnahmegerät und hörte Musikcassetten.
Nach dem Konzert fuhren wir auf Verdacht zum Tour-Hotel und hofften, vielleicht die Chance auf eine kurzes Statement zu bekommen. Vergeblich! Bobb hörte weiter Cassetten. Da sahen wir an der Hotelbar Mikes Percussionspieler Morris Pert sitzen. Ich fragte ihn, ob er ein Interview geben würde, denn ich hatte kurz zuvor auf der Frankfurter Musikmesse Adrian Wagner interviewt, der mit Pert gerade eine Platte gemacht hatte. Pert war einverstanden.
Als ich fertig war sagte Pert, “Du bist doch nicht wirklich nur wegen mir hierher gekommen?” Nein, sagte ich, ich möchte gerne AUCH Mike Oldfield interviewen u.s.w.. “Gut”, sagte Pert zu mir, “ich frage Mike einmal, ob er runterkommen will.” Drei Minuten später war Mike Oldfield da und hatte überhaupt keine Lust zu reden. Als er aber erfuhr, dass Bobb aus Cornwall stammte und ich in Wales zur Welt gekommen war, wurde er schon gesprächiger. Nach dem dritten Guinness-Bier war das Eis angeknackst und nach dem ierten gebrochen. Ich sagte zu Mike: “Ich bin an den üblichen Geschichten über Dich überhaupt nicht interessiert. Warum heisst deine Frau Sally, Deine Schwester Sally und dein Kindermächen Sally? Oder: Wie kamst Du auf die Idee mit Tubular Bells? - Das ist doch alles schon tausend Mal erzählt. Sag mir einfach: Hast Du mit der CR-68 und der CR-78 die gleichen Probleme wie ich? / Kannst Du mir beim Arrangieren meines Titels XYZ helfen? Was machst Du anders als ich, wenn Dumit halnber GEschwindigkeit aufnimmst? --- Das hatte Miko Oldfield nun überhaupt nicht erwartet. Er lächelte mich an und bestellte noch vier Guinness an der Hotelbar; das war um kurz vor Zwölf.
Bis im kurz vor drei Uhr tauschten wir CR-78 Tipps aus, Mike erklärte mir, daß vieles in seiner Musik auf kompositorischen Endlos-SCHLEIFEN basiert und er es aus der griechischen Musik entnommen hat. Nach dem x-ten Glas Guinness - ich war schon fast benebelt, er nicht - berichtete er davon, daß er diesen PR-Quatsch seiner Plattenfirma abgrundtief hasst. Er würde nur deswegen so “zurückgezogen” leben, weil die Plattenfirma das als sein Image aufgebaut habe und niemand sich traue, ihn zu besuchen. Ich würde mich schon trauen, sagte ich ihm. OK, sagte Mike zu mir, wenn Du mal wieder in Wales bist, dann komm‘ einfach mal vorbei. Ich bedankte mich und sagte ihm: Weißt du eigentlich, daß du in Deutschland einen Hit hast mit ‚Wonderful Land‘? Er sagte: Ein Hit?, fragte den Tourmanager ob das stimme und der sagte: Ja, es gäbe derzeit viel “Airplay” für den Titel. Oldfield wurde ärgerlich. Warum sagt mir ‚Charrley‘ das und nicht meine Plattenfirma? und fügte an, Wir müssen das sofort als Single auskoppeln. Nach zwei oder drei weiteren Guinness sagte er zu mir, er würde mir jetzt etwas sagen, dass habe er noch niemandem zuvor gesagt:
Mike verriet, dass erl seine Plattenfirma VIRGIN verklagen will. Es gäbe ständig Ärger, wie jetzt mit “Wonderful Land” und er habe immer noch den Vertrag von 1973, als er die “Bells” aufgenommen hatte und Richard Branson verdiene sich mit ihm dumm und dämlich. Und er erzählte mir noch mehr. Ob ich das schreiben könne, fragte ich ihn und er sagte: “Shure ... natürlich! Es ist deine Story.”
Meine Liebe: Da ein gewisser Herr Bobb durch andauerndes Cassettenhören die Batterien reichlich heruntergefahren hatte, waren am nächsten Tag nur noch zehn Minuten Interview auf dem Band zu hören. Und da ich mir nicht mehr sicher war, was Mike mir während einer Trunkenheit alles erzählt hatte und ich mir dadurch auch unsicher war, ob er das wirklich so gemeint hatte (die vielen Guinness - Du verstehst!) schrieb ich in den Artikeln so gut wie nichts darüber.
Drei Wochen später erschien der “MELODY MAKER” mit der Titelstory: ‚Oldfield gegen Virgin - Plattenstar verklagt seine Firma‘. Mein damaliger Redaktionsleiter meinte dazu nur: “Hätte der das nicht auch Dir erzählen können?” - Kein weiterer Kommentar!!!
Späte hat mir das sogar bei Mike geholfen, denn, als ich Oldfield später besuchte, sagte er: “Hast du das damals geschrieben?” Ich sagte: “Nein! - Das war Deine Angelegenheit und Du solltest aktiv werden.” - Man glaubt es kaum, aber Mike bedankte sich bei mir.
Auch heute noch habe ich Kontakt zu ihm und wenn mich nicht alles täuscht, brauchst Du nicht nach Edinburgh zu fahren, warte einfach mal in Berlin auf ihn. Aber auch heute noch sehe ich ihn vor mir , wie er damals war, bei diesem gespräch. Sehe ihn, wie er seine Zigaretten selbst rollt – so dünn wie Streichhölzer -, spüre seinen Stolz auf die Studioausrüstung, die er sich mit seiner eigenen Hände Arbeit, verdient hatte. Ein wrklicher Freund von ihm war ich nie; ich war höchstens ein Bekannter für ihn. Aber ich habe seine Widmung ‚Charley, ich wünsche Dir Erfolg!‘, wollte sie aufs Cover der “KONTAKTAUFNAHME” setzten. Aber die Leute von meiner Plattenfirma sagten damals immer: “Das hast Du gefälscht. Oldfield macht so etwas nicht; der lebt doch völlig zurückgezogen.” ‚Gefälscht‘ habe ich später allerdings doch noch etwas: Aus ‚Charley‘ habe ich ‚Charly‘ gemacht, denn ch fand, man sollte nicht alle Marotten der Stars mitmachen!
Nächste Station:
Der Tatsache geschuldet, dass meine Frau und ich ebenso Nur-Töchter haben wie andere Leute Nur-Söhne (Dich wundert bald gar nichts mehr ... Unsere sind 13 und 18 Jahre alt) hoffen wir natürlich, bei unseren Töchtern nicht allzuviel falsch gemacht zu haben. Falls doch, möchte ich Dich aber nicht damit belästigen. Auf den Verleih von Büchern freue ich mich; wir sollten vielleicht nach dem Urlaub damit beginnen, denn sonst versandet möglicherweise unser gegenseitiges Hilfsprogramm. (Ansonsten hoffe ich, dass Du niemals den Titel “Ich küsse Ihren Mann” von Anete Humpe aus deren Album “Solo” hören wirst).
M(ike) f(aziniert) G(itarren) ... und sie ihn auch.
Dadurch fasziniert er Dich ... und ich Dich auch.
Da braucht man nur "2 und 2" zusammenzuzählen!
ChD
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Es war meine Story
“2 und 2 = 22” (Strelitz)
Hallo kleine Maus,
das wirkliche Leben steckt voller Überraschungen. So geht es uns bisher bei unseren täglichen Berichten, so war Freitag Nacht ... und so ging es mir mit Mike Oldfield, wovon ich Dir ganz zu erzählen vergaß. Also, Ende 1980 arbeitete ich am ersten literarischen Kabarettprogramm “ICH GEBE ZU ... Bedenken” und hatte Probleme mit der Komposition eines Endlosstückes (Vorbild war der Mittelteil von Oldfields “Incantations”). Hier beginnt meine Oldfield-Geschichte:
Oldfield selbst hatte ich im Frühjahr 1979 in der Frankfurter Jahrhunderthalle live erlebt mit dem besten Bühnensound, den ich (bis dato und auch danach auf lange Zeit) jemals gehört hatte. Im Sommer 1979 arbeitete ich dann als einer der ersten Musiker in Deutschland mit der Rhythmusmaschine CR-68 von Roland und hatte größere Probleme mit der Funktionstüchtigkeit; kurz danach hörte ich diese Maschine auch bei Oldfields Produktionen. 1980 schrieb ich an Oldfield an, um mir Tipps für die Arbeit mit der neuen CR-78 zu holen ... und VIRGIN Records schrieben mir zurück, dass Herr Oldfield sehr zurückgezogen lebe und solche Fragen nicht zu beantworten pflege.
Anfang 1981 tourte Oldfield dann durch Europa und war im März in Offenbach am Main, der Stadt, in der ich lange gelebt hatte. Ich besorgte mir einen Reportageauftrag für die Zeitschrift “Musiker Music News” und die lokale Tageszeitung (war damit für die Tourleitung trotz meiner erst 23 Lenze ein ‚wichtiger‘ Mann), schnappte mir meinen Tontechniker Bobb Sanders und los gings ... und das war’s auch fast schon. Der Tourmanager sagte uns: “Das wird heute nichts mit dem Interview. Mike wurde in Holland eine Gitarre gestohlen, seine Lieblingsgitarre; er ist absolut schlecht drauf.” Dafür duften wir fotografieren.
Ich habe zwar neun von zehn Fotos vergeigt, aber das zehnte zeigt Mike tatsächlich mit einer Gibson-Gitarre anstelle seiner sonst üblichen Fender Strat. (Sehr selten! - Das Foto wurde später mehrmals von Musikzeitschriften bei mir nachgefragt.). Bobb war enttäuscht! Er schnappte sich das Aufnahmegerät und hörte Musikcassetten.
Nach dem Konzert fuhren wir auf Verdacht zum Tour-Hotel und hofften, vielleicht die Chance auf eine kurzes Statement zu bekommen. Vergeblich! Bobb hörte weiter Cassetten. Da sahen wir an der Hotelbar Mikes Percussionspieler Morris Pert sitzen. Ich fragte ihn, ob er ein Interview geben würde, denn ich hatte kurz zuvor auf der Frankfurter Musikmesse Adrian Wagner interviewt, der mit Pert gerade eine Platte gemacht hatte. Pert war einverstanden.
Als ich fertig war sagte Pert, “Du bist doch nicht wirklich nur wegen mir hierher gekommen?” Nein, sagte ich, ich möchte gerne AUCH Mike Oldfield interviewen u.s.w.. “Gut”, sagte Pert zu mir, “ich frage Mike einmal, ob er runterkommen will.” Drei Minuten später war Mike Oldfield da und hatte überhaupt keine Lust zu reden. Als er aber erfuhr, dass Bobb aus Cornwall stammte und ich in Wales zur Welt gekommen war, wurde er schon gesprächiger. Nach dem dritten Guinness-Bier war das Eis angeknackst und nach dem ierten gebrochen. Ich sagte zu Mike: “Ich bin an den üblichen Geschichten über Dich überhaupt nicht interessiert. Warum heisst deine Frau Sally, Deine Schwester Sally und dein Kindermächen Sally? Oder: Wie kamst Du auf die Idee mit Tubular Bells? - Das ist doch alles schon tausend Mal erzählt. Sag mir einfach: Hast Du mit der CR-68 und der CR-78 die gleichen Probleme wie ich? / Kannst Du mir beim Arrangieren meines Titels XYZ helfen? Was machst Du anders als ich, wenn Dumit halnber GEschwindigkeit aufnimmst? --- Das hatte Miko Oldfield nun überhaupt nicht erwartet. Er lächelte mich an und bestellte noch vier Guinness an der Hotelbar; das war um kurz vor Zwölf.
Bis im kurz vor drei Uhr tauschten wir CR-78 Tipps aus, Mike erklärte mir, daß vieles in seiner Musik auf kompositorischen Endlos-SCHLEIFEN basiert und er es aus der griechischen Musik entnommen hat. Nach dem x-ten Glas Guinness - ich war schon fast benebelt, er nicht - berichtete er davon, daß er diesen PR-Quatsch seiner Plattenfirma abgrundtief hasst. Er würde nur deswegen so “zurückgezogen” leben, weil die Plattenfirma das als sein Image aufgebaut habe und niemand sich traue, ihn zu besuchen. Ich würde mich schon trauen, sagte ich ihm. OK, sagte Mike zu mir, wenn Du mal wieder in Wales bist, dann komm‘ einfach mal vorbei. Ich bedankte mich und sagte ihm: Weißt du eigentlich, daß du in Deutschland einen Hit hast mit ‚Wonderful Land‘? Er sagte: Ein Hit?, fragte den Tourmanager ob das stimme und der sagte: Ja, es gäbe derzeit viel “Airplay” für den Titel. Oldfield wurde ärgerlich. Warum sagt mir ‚Charrley‘ das und nicht meine Plattenfirma? und fügte an, Wir müssen das sofort als Single auskoppeln. Nach zwei oder drei weiteren Guinness sagte er zu mir, er würde mir jetzt etwas sagen, dass habe er noch niemandem zuvor gesagt:
Mike verriet, dass erl seine Plattenfirma VIRGIN verklagen will. Es gäbe ständig Ärger, wie jetzt mit “Wonderful Land” und er habe immer noch den Vertrag von 1973, als er die “Bells” aufgenommen hatte und Richard Branson verdiene sich mit ihm dumm und dämlich. Und er erzählte mir noch mehr. Ob ich das schreiben könne, fragte ich ihn und er sagte: “Shure ... natürlich! Es ist deine Story.”
Meine Liebe: Da ein gewisser Herr Bobb durch andauerndes Cassettenhören die Batterien reichlich heruntergefahren hatte, waren am nächsten Tag nur noch zehn Minuten Interview auf dem Band zu hören. Und da ich mir nicht mehr sicher war, was Mike mir während einer Trunkenheit alles erzählt hatte und ich mir dadurch auch unsicher war, ob er das wirklich so gemeint hatte (die vielen Guinness - Du verstehst!) schrieb ich in den Artikeln so gut wie nichts darüber.
Drei Wochen später erschien der “MELODY MAKER” mit der Titelstory: ‚Oldfield gegen Virgin - Plattenstar verklagt seine Firma‘. Mein damaliger Redaktionsleiter meinte dazu nur: “Hätte der das nicht auch Dir erzählen können?” - Kein weiterer Kommentar!!!
Späte hat mir das sogar bei Mike geholfen, denn, als ich Oldfield später besuchte, sagte er: “Hast du das damals geschrieben?” Ich sagte: “Nein! - Das war Deine Angelegenheit und Du solltest aktiv werden.” - Man glaubt es kaum, aber Mike bedankte sich bei mir.
Auch heute noch habe ich Kontakt zu ihm und wenn mich nicht alles täuscht, brauchst Du nicht nach Edinburgh zu fahren, warte einfach mal in Berlin auf ihn. Aber auch heute noch sehe ich ihn vor mir , wie er damals war, bei diesem gespräch. Sehe ihn, wie er seine Zigaretten selbst rollt – so dünn wie Streichhölzer -, spüre seinen Stolz auf die Studioausrüstung, die er sich mit seiner eigenen Hände Arbeit, verdient hatte. Ein wrklicher Freund von ihm war ich nie; ich war höchstens ein Bekannter für ihn. Aber ich habe seine Widmung ‚Charley, ich wünsche Dir Erfolg!‘, wollte sie aufs Cover der “KONTAKTAUFNAHME” setzten. Aber die Leute von meiner Plattenfirma sagten damals immer: “Das hast Du gefälscht. Oldfield macht so etwas nicht; der lebt doch völlig zurückgezogen.” ‚Gefälscht‘ habe ich später allerdings doch noch etwas: Aus ‚Charley‘ habe ich ‚Charly‘ gemacht, denn ch fand, man sollte nicht alle Marotten der Stars mitmachen!
Nächste Station:
Der Tatsache geschuldet, dass meine Frau und ich ebenso Nur-Töchter haben wie andere Leute Nur-Söhne (Dich wundert bald gar nichts mehr ... Unsere sind 13 und 18 Jahre alt) hoffen wir natürlich, bei unseren Töchtern nicht allzuviel falsch gemacht zu haben. Falls doch, möchte ich Dich aber nicht damit belästigen. Auf den Verleih von Büchern freue ich mich; wir sollten vielleicht nach dem Urlaub damit beginnen, denn sonst versandet möglicherweise unser gegenseitiges Hilfsprogramm. (Ansonsten hoffe ich, dass Du niemals den Titel “Ich küsse Ihren Mann” von Anete Humpe aus deren Album “Solo” hören wirst).
M(ike) f(aziniert) G(itarren) ... und sie ihn auch.
Dadurch fasziniert er Dich ... und ich Dich auch.
Da braucht man nur "2 und 2" zusammenzuzählen!
ChD
Freitag, 21. Juli 2000 @ 11:45:14
Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Un(heimlich)bekannte Mosaiksteinchen
Guten Tag Karli,
das Gefühl des unheimlich(en) Bekannten entwickelt sich auch bei mir langsam. Ich hatte keine Ahnung, daß Dich meine kleinen Musik-Mosaik-Steinchen auf diese Weise treffen würden.
Es ist so:
Ich kenne Mike Oldfield nicht, aber ich liebe seine Musik und er spielt genau das, was mein Herz anspricht. - "TB II" und vieles andere von M.O. ist Musik, in die ich mich einfach hineinfallen lassen kann. " TB III" geht mir auch nicht so nahe, aber ich mag es trotzdem sehr und der Schlußteil ist eine wahre Power- Tankstelle!
"TB II" war ( wie immer) "schön, rein und klar" und hilfreich, ehrlicher Weise muß ich hinzufügen, daß diesmal Dein kleines ungläubigen Fragezeichen an der "Reparatur" nicht ganz unbeteiligt war.
Ich muß beichten: Mein Mann ist neben seiner Arbeit bei "T-KUNDE", das ist seine eigene Firma, auch politisch aktiv und zwar für die PDS. So, jetzt ist es raus, ist aber nur die halbe Beichte. Mit meiner Seelenverfassung zu tun hat meine Aufgabe, die er mir vor Jahren gestellt hat und die ich so gut es geht für ihn löse: ich schreibe seine Reden. Und dabei hat mich ein wenig angeknackst, daß ich mich so entsetzlich darüber ärgere, daß bei der Ver- und Bearbeitung dieser Zeit, fast immer alles nur "schwarz-weiß" gemalt wird - hier die Guten und da die Bösen (= also WIR, sage ich jetzt mal), wobei WIR im Höchstfall noch ein bißchen als dumpfe Mitläufer-Masse beschrieben werden. Die vielen anständigen DDR-Menschen werden nicht nur vergessen, sondern fast alle im Westen tun so, als hätte es diese Leute niemals gegeben und als wäre alles tatsächlich nur "schwarz-weiß" und nichts dazwischen. Ich weiß, daß Du das richtig verstehst - deshalb konnte ich es für Dich auch erzählen.
Ja, ich hätte es Dir natürlich auch gleich sagen können, aber heute, jetzt, gerade eben, mußte es sein, denn Du hast ja heute Abend Deinen großen Auftritt als Wessi im Osten. Nicht, daß Du das jetzt gleich im Fernsehen herumposaunst, aber da ist doch was dran, daß immer nur Gut und Böse gemalt wird. Rudolf und ich waren zu DDR-Zeiten nicht böse: wir waren nur überzeugt von dem dem was in `unserem` Land vor sich ging. Und trotzdem waren wir nicht unkritisch, wollten hier und da den Staat verbessern. Natürlich gab es auch unter uns Kräfte, die alles zerstören wollten, was die Menschen der DDR geschaffen hatten - aber weshalb sind die nun gut und WIR nicht? -Laß Dir das mal durch den Kopf gehen.
Ansonsten halte es heute Abend mit Botho Strauß, der sagt: „Ich denke, wir müssen die Breitenwirkung der Verblödung durch die Medien stoppen.“
M(it) F(reitags) G(rüßen)
von Uschi
an Karli
Nachtrag: Ich habe im letzten Jahre M.O.s Konzert im " ICC" erlebt und war total begeistert. Am meisten war ich beeindruckt von der unglaublichen Präsenz Oldfields, der genau genommen "nur" auf der Bühne steht und Musik macht - die Ausstrahlung ist unglaublich. (ChD verfügt über eine ähnliche Präsenz, besonders wenn er Texte spricht, man/frau - zumindest ich - will dann kein Komma überhören.)
Nachträglicher Nachtrag: Da wir diese Woche über Träume reden - ich habe eine Live-DVD von M.O. "TB II" open-air in Edinburgh; zu meinen Traumwünschen gehört der, so ein Konzert an diesem Ort selbst zu erleben.
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Un(heimlich)bekannte Mosaiksteinchen
Guten Tag Karli,
das Gefühl des unheimlich(en) Bekannten entwickelt sich auch bei mir langsam. Ich hatte keine Ahnung, daß Dich meine kleinen Musik-Mosaik-Steinchen auf diese Weise treffen würden.
Es ist so:
Ich kenne Mike Oldfield nicht, aber ich liebe seine Musik und er spielt genau das, was mein Herz anspricht. - "TB II" und vieles andere von M.O. ist Musik, in die ich mich einfach hineinfallen lassen kann. " TB III" geht mir auch nicht so nahe, aber ich mag es trotzdem sehr und der Schlußteil ist eine wahre Power- Tankstelle!
"TB II" war ( wie immer) "schön, rein und klar" und hilfreich, ehrlicher Weise muß ich hinzufügen, daß diesmal Dein kleines ungläubigen Fragezeichen an der "Reparatur" nicht ganz unbeteiligt war.
Ich muß beichten: Mein Mann ist neben seiner Arbeit bei "T-KUNDE", das ist seine eigene Firma, auch politisch aktiv und zwar für die PDS. So, jetzt ist es raus, ist aber nur die halbe Beichte. Mit meiner Seelenverfassung zu tun hat meine Aufgabe, die er mir vor Jahren gestellt hat und die ich so gut es geht für ihn löse: ich schreibe seine Reden. Und dabei hat mich ein wenig angeknackst, daß ich mich so entsetzlich darüber ärgere, daß bei der Ver- und Bearbeitung dieser Zeit, fast immer alles nur "schwarz-weiß" gemalt wird - hier die Guten und da die Bösen (= also WIR, sage ich jetzt mal), wobei WIR im Höchstfall noch ein bißchen als dumpfe Mitläufer-Masse beschrieben werden. Die vielen anständigen DDR-Menschen werden nicht nur vergessen, sondern fast alle im Westen tun so, als hätte es diese Leute niemals gegeben und als wäre alles tatsächlich nur "schwarz-weiß" und nichts dazwischen. Ich weiß, daß Du das richtig verstehst - deshalb konnte ich es für Dich auch erzählen.
Ja, ich hätte es Dir natürlich auch gleich sagen können, aber heute, jetzt, gerade eben, mußte es sein, denn Du hast ja heute Abend Deinen großen Auftritt als Wessi im Osten. Nicht, daß Du das jetzt gleich im Fernsehen herumposaunst, aber da ist doch was dran, daß immer nur Gut und Böse gemalt wird. Rudolf und ich waren zu DDR-Zeiten nicht böse: wir waren nur überzeugt von dem dem was in `unserem` Land vor sich ging. Und trotzdem waren wir nicht unkritisch, wollten hier und da den Staat verbessern. Natürlich gab es auch unter uns Kräfte, die alles zerstören wollten, was die Menschen der DDR geschaffen hatten - aber weshalb sind die nun gut und WIR nicht? -Laß Dir das mal durch den Kopf gehen.
Ansonsten halte es heute Abend mit Botho Strauß, der sagt: „Ich denke, wir müssen die Breitenwirkung der Verblödung durch die Medien stoppen.“
M(it) F(reitags) G(rüßen)
von Uschi
an Karli
Nachtrag: Ich habe im letzten Jahre M.O.s Konzert im " ICC" erlebt und war total begeistert. Am meisten war ich beeindruckt von der unglaublichen Präsenz Oldfields, der genau genommen "nur" auf der Bühne steht und Musik macht - die Ausstrahlung ist unglaublich. (ChD verfügt über eine ähnliche Präsenz, besonders wenn er Texte spricht, man/frau - zumindest ich - will dann kein Komma überhören.)
Nachträglicher Nachtrag: Da wir diese Woche über Träume reden - ich habe eine Live-DVD von M.O. "TB II" open-air in Edinburgh; zu meinen Traumwünschen gehört der, so ein Konzert an diesem Ort selbst zu erleben.
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