Mittwoch, 26. August 2009

Montag, 31. Juli 2000 @ 20:59:42

Von: charts@charlydavidson.com
An: ***-****@********.de
Betreff: kulturecho@aol.com

Sehr geehrte Frau Maus,

also: wir kennen uns nun doch schon lange genug und unsere Artikulationen sind zu verzweigt, als dass wir uns nicht ab sofort offiziell ‚Siezen‘ könnten. Sich zu ‚Siezen‘ bringt enorme Vorteile bei vertrauensbildenden Maßnahmen. Ich werde dies zukünftig tun.

Außerdem halte ich es aus diesem Grund durchaus für sinnvoll, uns als Alter Egos via E-Mail bestimmte Alternativen zum ‚Siezen‘ offenzuhalten. Eine davon ist Deine Bitte nach der Benutzung der “richtigen” E-MAil-Adresse, die ich heute wie folgt habe managen lassen: In Kürze werden Sie von “Kulturecho@aol.com” harmlose literarische Texte erhalten, auf die Sie dann (ganz wie Sie wollen) antworten können. Da diese Adresse - die zugegebenermassen recht wichtig klingt ... auf jeden Fall aber absolut seriös - UNSERE EIGENE Adresse ist, können Sie mir hierüber jederzeit einen harmlosen Tipp in einer harmlosen Mail geben und ich werden dann umgehend schauen, was beim “Kulturecho” eingegangen ist. Oder umgekehrt. --- Jetzt aber wieder Schluss mit lustig!

Hätte ich Zweifel an Dir als meinem Alter Ego, dann hätte ich Dir eine so geniale Idee wie die, mit Eurer Schule nicht zugetraut. Dies eröffnet mir eine ideale Ausgangsbasis, bei meinen geschäftlichen Besuchen in Berlin mit Dir in Kontakt zu treten und meinetwegen Eure Schule ganz offiziell zu besuchen. Und Dir eröffnet das die Möglichkeit, mit Deinem Mann - ganz offiziell - darüber zu sprechen, daß man “endlich mal was für unsere Schule machen muß”. - Ursula Maus, man mag über Dich sagen, was man will, aber “Du kannst was”, wie meine Großmutter zu ihren Lebzeiten immer zu sagen pflegte.

Noch was: Seit einem gewissen(-haften ... nicht -losen) Abend in Leipzig denke ich merkwürdigerweise recht oft an Sie als mein Alter Ego. Ich denke jedoch, daß ich dabei nicht-eigentlich undiszipliniert werden werde.

Ihr

Karl David Korff

Montag, 31. Juli 2000 @ 13:49:39

Von: ***-****@********.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Die Gedanken sind deshalb frei, weil mensch sie loslassen kann

Hallo mein AE,

leider ist Steve nicht nur internet- süchtig, sondern auch Ferien- Lang- Schläfer, ich habe erst jetzt eine Chance, Dir zu schreiben.

Die Anlagen Deiner Mail konnteich - oh Wunder! - problemlos öffnen und lesen. Morgen früh kann ich mich dann mit dem von Dir zusammengestellten Material etwas intensiver beschäftigen; gerade eben war ich nur zu eher flüchtigem Durchblättern in der Lage, ich mußte mich erst mal sortieren. Ich bin da auch viel zu ahnungslos, als daß ich mich auf diese Herausforderung ohne Gründung eines Ministeriums für Uschi- Fragen einlassen möchte!

Ich hatte Dir gestern telefonisch eine glänzende Plan- Idee angekündigt, aber bevor ich Dir davon erzähle, möchte ich Dir noch einen Gedanken von mir aufschreiben: Bei einer beabsichtigten "offiziellen Kontaktaufnahme auf erweiterter familiärer Ebene" müßen wir unserer Konzentrationsfähigkeit sehr sicher sein, Versprecher sind schwer zu erklären und das Eis ist ziemlich dünn!

Aber nun meine glänzende Plan-Idee, die gleichzeitig eine persönliche Bitte von mir an Dich ist:
Ich habe Dir ja schon von einigen der Probleme erzählt, mit denen meine Schule in Kreuzberg zu kämpfen hat. Die Situation für "uns" ist tatsächlich so schwierig, daß wir bald in der Zwangslage stecken werden, ob wir diese Arbeit noch leisten können und ob sie für die Kinder noch sinnvoll ist. So ausführlich kann ich Dir das jetzt nicht erklären; ich glaube, ich schreibe Dir das in Ruhe und detailierter auf, wenn ich wieder zu Hause bin oder ich erzähle es Dir irgendwann persönlich.

Tatsache ist, daß ich Dich darum bitten möchte, mir dabei zu helfen, ein Konzept zu entwickeln, das es unserer Schule ermöglicht, die Medien zu nutzen, um unser Anliegen über die von mir erwähnte "Mauer" zu transportieren. Könntest Du Dir vorstellen, das mit mir zu versuchen?

Für mich, resp. in diesem Falle uns, wäre das eine riesige Unterstützung - Du bist so medien-erfahren, daß Du uns bestimmt helfen kannst! (...mein Gott, was schreibe ich Dir da? Du mußt ja denken, daß ich gar keine Kommunikationsexpertin bin ... PANIK ... und jetzt habe ich Dich auchnoch MEIN GOTT genannt ... unverzeihlich, oder?, Was denkst Du?) Außerdem hätten wir damit eine "offizielle Arbeitsebene".

Ich höre HP, der große Plan wird nicht scheitern und ich verschwende nichts, nicht mal Gedanken an Dich, ich denke vorwärts und auch an mein Alter Ego!

M (it diesmal) (bemerkenswert) f (reundschaftlichen) G (rüßen)

für mein AE
von Uschi

Nachtrag: Ich hoffe, ich habe Dich mit meiner Bitte, die andere Mail- Adresse zu benutzen, nicht so sehr verwundert. Unsere gesamten Mails werden über www.tkun.de gesendet, ankommende werden gleich verteilt oder landen eben (seehr indiskreet!) alle unter webmaster@tkun.de oder kontakt@tkun.de - meistens sortiere ich sie dann ... meistens, aber nicht immer!

Montag, 31. Juli 2000 @ 05:12:41

Von: charts@charlydavidson.com
An:
***-****@********.de
Betreff: Die Gedanken sind frei... (...kann sie wirklich keiner erraten?)

Hallo an mein Alter Ego,

ja, heute schreibe ich Dir mal als mein Alter Ego (so wie Du es Dir so sehr gewünscht hast) und dann auch noch, bevor der Tag beginnt und alle anderen aufwachen.

Ist Dir eigentlich schon einmal aufgefallen, dass unser Spiegelbild, das wir so gerne anschauen, ein verdrehtes Abbild von uns selbst ist? In gewisser Weise ist es mit dem Spiegel (und einigen anderen weltanschaulichen Dingen) wie mit der Bibel (und einigen anderen weltanschaulichen Wälzern):

Wenn mensch einen Bezug dazu gefunden hat, kann er sich darin wiederfinden. Das ist mitunter gar nicht so schwer, wenn man weis, das alles zuvor schon einmal dagewesen/gedacht/passiert ist und danach ebenso wieder passieren wird. Natürlich leicht verdreht und damit evolutionär. Seichtere Gemüter fühlen das ebenso – sie sagen dann bloß: ‚Das (Lied/Buch/Filmchen) geht mir zu Herzen.‘ In Wirklichkeit meinen sie aber doch nur: ‚Darin kann ich mich wiederfinden‘.

Um es mit der Spiegel-Bibel zu sagen, heißt das für uns: ‚Wer sehen will, der wird sehen!‘. (Komisch, daß mir jetzt als verdrehte Kon-Sequenz einfällt: ‚Wer hören will, muss fühlen.‘)

Dein Wunsch nach dem wahren T-KUNDE-Ablagekorb wird erfüllt. Ansonsten solltest Du jetzt wieder mehr Gedanken an Deinen Mann verschwenden; der kommt übermorgen um Euch abzuholen. Gedanken an Dein Alter Ego jetzt schon zu verschwenden wäre glatte Verschwendung.

Ansonsten: Vorwärts immer! Rückwärts nimmer! Hört alle Pudelko! Ohne HP-Kenntnis scheitert der große Plan.

Bis zum nächsten kleinen Mal

ChD

Sonntag, 30. Juli 2000 @ 14:24:35

Von: ***-****@********.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Alter ego an Alter ego

Hallo Charly,

eine vorerst kurze Reh-aktion auf die Mail, die mich zu meiner Freude schon erwartet hat, obwohl sie gerade erst vor kurzer Zeit an mich geschickt wurde. Ich bin eben erst von einem langen Nachdenk- Spaziergang durch Leipzig zurück gekommen, weil ich anschließend erst noch bei Petra im Autohaus war (sie ist Auto- Verkäuferin und muß auch Sonntags arbeiten, wenn auch nur mit Vorführwagen) und dann meine Tochter wieder einsammeln mußte.

Und dann soviel privat- vertrauliches an mich, obwohl Du doch zuerst meine Hilfe und Unterstützung nicht wolltest. Ja, loslassen muß man/frau lernen, aber in dem von Dir beschriebenen Zusammenhang ist es besonders schmerzlich, weil Bücher und Musik nur in 2. oder 3. Linie einen materiellen Wert haben - jedenfalls für mich - in erster Linie besitzen sie einen geistigen und seelischen Wert und der ist wirklich fast unersetzbar!

Ich arbeite an Lösungsvorschlägen, damit Dir das zukünftig auf keinen Fall mehr passieren wird. Zugegeben: jetzt am Anfang bin ich noch ein bißchen nervös - die Situation ist doch sehr ungewöhnlich für mich: Konfliktberatung anstatt Kommunikationstraining. Und dann noch bei meinem Alter Ego. Aber was sein muß, daß muß sein.

Noch zwei Nebensächlichkeiten:
1.) Vermutlich holt mich mein Mann am Dienstagnachmittag hier wieder ab, bis dahin können wir weiter den Rechner des " kleinen" Steve benutzen.
2.) Wenn Du mir dann wieder nach Berlin schreibst, sei so nett und schreibe ausschließlich an die E-mail-Adresse, die Du bisher benutzt hast - dann landen alle definitiv nur in meiner Post, das reduziert u. U. diplomatische Verwicklungen und ernsthafte Blicke. Wäre doch indeskret dumm, wenn versehentlich mal was bei webmaster@tkun.de oder kontakt@tkun.de landen würde. Ich habe ja nun schließlich den Ruf eines Rockstars und Alter Egos zu schützen.
Unbeeinflußbare und unweigerliche, aber beabsichtigte Grüße

von Uschi
an Charly

Sonntag, 30. Juli 2000 @ 13:36:58

Von: charts@charlydavidson.com
An: ***-****@********.de
Betreff: Nachtrag zum Vortrag

“Ich hatte noch nie etwas mit einer Frau. Mit fünfzehn stieß ich auf Platon. Er sagt, daß die Frau mit vierundzwanzig reif für den Geschlechtsakt ist, der Mann mit fünfundddreißig. Bald werde ich sechsunddreißig und immer noch unberührt sein. Wenn ich das schaffe, bin ich besser als Platon!” (Mauri Antero Numminen)

Keine Angst Frau Gundula (warum nicht gleich "Gerundula", das wäre wohl was),

dieser Mensch (= MA Numminen) der solchen Schweinskram verzapft ist Professor für Sprachwissenschaft an der Uni Helsinki, schreibt nebenher immer so‘n Schweinskram, dreht zudem seit den sechziger Jahren erfolgreich Filme und macht als Ausgleich Tango-Musik.

Jetzt ein echter Musiktipp:
“Willi” von Conny Wecker ist für ich- allein schon auf die Zeit bezogen in der es Wecker erstmals dargeboten hat - ein Meilenstein. Mein Favorit ist aber immer wieder neu “Wenn der Sommer nicht mehr weit ist”; ein Lied in dem sich die Persönlichkeit des Kokain Wecker - wie ihn Michael Mittermeier seinerzeit getauft hat (im April wurde Conny in dritter Instanz zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt) - frei entfalten konnte. Ich habe eine Liveversion der späten Jahre, da zischt das “... Genuß bekommt man nämlich nie genug ...” so beissend über die Bühne, dass man – im Nachhinein - Wetten abschließen möchte, wie viele Gramm er seiner Nase an diesem Tag wohl zugeführt hatte. Und beim Nachfolgesatz: "... Genießen ist kein leichtes Spiel ..." konnte sich Kokain Wecker so richtig bestätigt fühlen: "Ham die Leid scho was g'merkt?" - Mir wurde ja auch mal so was unterstellt, aber wie das mit Unterstellungen so üblich ist: G'fundn haben's nix! - Lesenswert: Weckers Vortrag zum Thema, den er vor drei Jahren vor Nervenärzten in Jenas Partnerstadt Erlangen hielt ist letztes Jahr unter dem Titel "Es gibt kein Leben ohne Tod" als Buch erschienen.

Nunt ein zweiter Musiktipp:
Rio Reiser mochte ich schon seit der Scherben-LP “Keine Macht für niemand” (1973 nur original mit ‚Katschi‘-Schleuder erhältlich - weiß aber kaum noch jemand). “Allein machen sie dich ein” und natürlich der Wortwitz des “Rauch-Haus-Songs” ... einmalig; nicht nur weil ich ja mal Politrocksänger war. 1978 bis 1980 war das und da gehörte es zur Pflicht TSS zu mögen, ebenso Franz K, Floh de Cologne und die Lokomotive aus Kreuzberg (!). Der Kenner weis: Damals machte in Berlin beim Grips-Theater und der Lok auch ein gewisser Heinz Hoenig (genau der!) mit als Kalle Kowalewski” oder so ähnlich, an den Drums saß Herwig Mitteregger und mit ihm die halbe Nina Hagen Band resp. später: Spliff.

Zum Bücherverbrennen:
DISCO-Presentatör Ilja Richter hat in seiner Biografie (trivial aber lesenswert) erzählt, dass er einmal für die BRAVO begleitend zu seinem damaligen Kinofilm “Hurra, die Schule brennt” Schulbücher, die auf einen Haufen geschichtet worden waren, angezündet hat. Als Gag war es gedacht und später habe er, der Jude Ilja - manchmal deswegen nicht schlafen können. So gibt es für jeden Menschen Dinge, die Schlaflosigkeit ihn bis in’s Alter als Strafe verfolgt.

Richtig: Nicht nur den Abschied muß man er-lernen. Es ist lange her, aber ich erinnere mich an einem Riesenstreit mit meiner Frau in dessen Folge ich die Hälfte meiner - unersetzlichen - Plattensammlung, viele liebgewonnene Bücher und dazu noch Studiobänder mit einwandfrei und mühevoll und teuer produzierten Musikstücken in einigen Müllsäcken und -tonnen entsorgt habe. --- Das war blinde Wut die sich gegen Sachen entlud. (Gegen Menschen habe ich mich zum Glück noch niemals wutvoll entladen.)

Das hat geschmerzt, sage ich Dir, das hat sogar mehr als geschmerzt. Was weg ist, ist nämlich weg, da helfen keine Pillen. Aber hier galt für mich: Was einen nicht kaputt macht, macht einen doppelt stark. Ich lernte, daß es Dinge gibt, von denen man sich niemals trennen würde und die trotzdem plötzlich weg sein können. Und ich begriff, daß das Leben danach trotzdem weitergeht. - Daei darf ich noch nicht einal an die Juden und die Nazis oder die Russen und Stalin denken.

Ob ich mit der Musik oder der Literatur etwas gefunden habe, was meinem inneren Wesen zu 100 % entspricht, das weiß ich nicht. Ich glaube jedoch, Literatur zu schreiben entspricht meinen Wesen ebenso, wie die Musik ihm entspricht. Aber ich denke schon (und das ohne einer asiatischen Lehre zugewandt sein zu müssen), dass es im Leben reicht, einfach nur ICH zu sein. – Danke für Deine Gedanken!

Manchmal komme ich mir bei unserer Konversation vor, wie in einem französischen Debattier- und Jazzclub der vierziger Jahre. Die Musik untermalt die Unterhaltung - die Unterhaltung untermalt die Musik ... und ...

m(acht) f(reundschaftliche) G(efühle)

Dein Charly Davidson


Nachtrag 1:
Da hat sich doch in meinen Gehirnwindungen wieder so ein Fehler eingeschlichen (ich denke an Nietzsches Beispiel mit dem Kampf zwischen Erinnerung und Vorstellung). 1976 bei dem Workshop war ich nicht 17 Jahre sondern 18 Jahre alt ... sagt mir der Zeitungsausschnitt und nicht meine Erinnerung. Mit 17 nahm Mike O. seine “Tubular Bells” auf; bei mir hat es noch zweieinhalb Jahre gedauert, da nahm ich erst “My Oldfield” auf (ja, damals war mann noch ehrlich, was seine musikalischen plagiativ-plakativen Wurzeln anbelangte), spielte alle meine Instrumente selbst und fühlte mich die ein König. Dochwar ich vor allem einer, der nicht so gut war wie Mike O., was gut war, weil ich nur so immer besser werden konnte.

Nachtrag 2:
Ich spielte damals auch gelegentlich mit einem Liedermacher zusammen namens Lerryn, der ein arrogantes Arschloch war (... vielleicht bin ich ja heute selber eines!!!). Später kam er groß heraus, der Herr Lerryn alias Dr. Dieter Dehm alias IM Wolf alias Manager von Kati Witt alias heutiger Vizechef der PDS. ENDLICH ‘MAL EIN WESSI, DER’S IM OSTEN ZU WAS GEBRACHT HAT!

Freitag, 28. Juli 2000 @ 11:42:53

Von: ***-****@********.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: vergeigte Strafe?

Hallo K.,

meine Tochter wartet auf den versprochenen Zoo- Besuch und ich versuche trotzdem, Dir noch kurz auf Deine Mail zu antworten.

Da Doreen, meine Tochter gerade damit beschäftigt ist, Harry Potter- Band 4 vor-zu-schreiben (er erscheint nämlich erst am 14. Oktober bei uns, ist in Groß-Britannien aber bereits seit vier WOchen zu haben), habe ich gute Chancen mit der E-Mail vorher fertig zu sein. Beim Frühstück hat sie verkündet, sie wird jetzt nicht mehr Naturforscher - "Warum muß ich dann bei diesen Temperaturen in den Zoo?!" - sondern sie wird eine Schriftstellerin wie J. K. Rowling!

a) Glaube mir, ich kenne die Musik von Heiner Pudelko wirklich (noch) nicht! Und ich kann auch wirklich nichts für solch verwunderliche Zufälle, sie sind vollkommen unbeabsichtigt! - Bisher hat mein "Quentchen Vorahnung" immer nur im reh-alen Blindflug funktioniert, über die virtuelle Variante bin ich eigentlich, zumindest in meinem tiefsten Inneren, sprachlos. Da man das am äußerlichen Sprachgebrauch nicht merkt, bin ich wiederum nicht- eigentlich sprachlos.

b) Für weitere ernsthafte Blick-Notfälle werde ich Deinen Tip mit der passenden Gegenfrage anwenden, vielleicht hilft es ja!

c) Ich finde es großartig (vor allem artig), daß Du schon einen Plan hast für ein Treffen zwischen uns ... ich habe noch nicht mal eine Zeit- und Ort-Idee. Eigentlich und auch nicht- eigentlich meine ich, keinerlei ernsthafte Blick- oder entrüstete Aufschreie verdient zu haben! (Eine Geschlechtsumwandlung halte ich definitiv nicht für eine Lösung, nur weil andere offensichtlich schräger denken als ich!)

Warum das für andere so schwer verständlich ist, weiß ich auch nicht!!! Vermutlich ist Deine Vermutung gar nicht so vermutlich, sondern vermutlich vermutete Tatsache! ( U.U. sind sie uns weit voraus!)

Um hier mal kurz unser Wochenthema zu streifen, wäre es in höchstem Maße UNGERECHT, uns für nicht mal Beabsichtigtes, geschweige denn Stattgefundenes mit ernsthaften Blicken zu strafen! Ich weiß noch nicht mal, ob ich die vermutlich vorhandenen eigenen Erfahrungen der Ernsthaft- Blickenden und Mißtrauischen in meinem Umkreis mit eigenen ernsthaften Blicken beantworten würde!

Literarische Gefahrenlösung, die zumal nicht rezeptpflichtig sind und keinerlei Neenwirkungen haben, sind in so ferner Nähe leicht anzuwenden, über eventuelle Nachwirkungen wird mensch Erfahrungen sammeln müssen. Auch stundenlanges Zuhören ist keine "Straftat", die als Strafmaß ernsthafte Blicke, mißtrauisches Mißvergnügen oder entrüstete Aufschreie begründen!

d) Was heißt hier "vergeigtes Wochenthema"?!

Strafe muß sein und zwar definitiv für Sommerloch- Journalisten und die Sorte Mensch, die glaubt, was in Zeitungen steht. Als Strafmaß bietet sich die lebenslange Verpflichtung an, sich Schlagzeilen für die BILD- Zeitung ausdenken zu müssen. (Mein Mann hatte mal die treffliche Idee: "Mann ließ sich vom Dampfwalze überfahren - Die Begründung hierfür war ziemlich flach!" - Ich hatte ihm NICHT das o.g. Strafmaß auferlegt, auf solche Ideen kommt er spontan!)

Wenn ich bei meinen Überlegungen politische und/oder kriminelle Tätlichkeiten weglasse, bleibt die Frage "Strafe muß sein" an der Frage hängen "Wofür?". Man/frau/kind macht Fehler, trifft falsche Entscheidungen oder keine, verirrt oder irrt sich und dann kommt der Spruch "Strafe muß sein" - meist von Oberschlauen, Oberlehrern, Obererziehern und Obermoralisten.

Aber ist denn ein NICHT gemachter Fehler ein Nachweis für Klugheit oder für Dummheit? (Vergleiche auch: "Aus Fehlern wird man klug!")

Meine Reh/Maus-Gedanken sagen dazu:
Wenn ich etwas falsch gemacht habe, ist die Folge meines Fehlers u. U. Strafe genug, alles wieder gerade zu rücken ist das erhöhte Strafmaß und dann den Fehler nicht zu wiederholen ist die Höchststrafe.

Was denkst Du?

Man liest sich!

M (it) F (reude) G (undula*)

* = früher bekannt als Ursula

Donnerstag, 27. Juli 2000 @ 17:30:30

Von: ***-****@********.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Freundschaftlicher Nachtrag

Hallo Charles Foster Davidson,

vorhin konnte ich dem armen Steve (16), und somit computersüchtig im fortgeschrittenem Stadium, nicht länger Computer- Entzug durch E-mail- Süchtige in nicht fortgeschrittenem Stadium zumuten; jetzt ist er baden gefahren und ich ergänze die vorhin abgesandte Kurznachricht noch ein bißchen.

Mir sind nämlich noch so ein paar Dinge eingefallen, die groß- artig sind:

a) Dein Buchgeschenk war ein Erfolg, es hat mir viel Spaß gemacht, mich erinnert, mich ein kleines bißchen nachdenklich gemacht und mich zu meinen eigenen Wende- Geschichten ermutigt.

b) Mir ist aufgefallen, daß Du mich überhaupt noch nicht danach gefragt hast, wie ich den 9. November erlebt habe. Soll ich Dir das mal erzählen? Überlege Dir das gut, es ist eine typische Uschi- Geschichte, also wieder mal ganz anders, als man denkt!

c) Weißt Du, ich kann mich nicht daran erinnern, mit Petra jemals Tränen über einem Kino- Film vergossen zu haben, wir haben unsere Taschentücher mit reh- alem Leben aufgebraucht und tun dies gelegentlich auch noch - und nicht nur beim Lachen.

Wir haben uns aber mehrmals gegenseitig " gerettet" vor den alltäglichen Untergängen, die das reh- ale Leben so bereithält. Für solche Situationen haben wir einen gemeinsam entwickelten Spruch: "Koch Dir einen Kaffee, kauf Dir einen Hut, ABER TU WAS!"

Es gab allerdings auch mal eine dreijährige Funkstille zwischen uns, die mit Wende, Kindern und Männern und unserer jeweiligen Sichtweise zusammenhing. - Wenn frau klug genug ist zu merken, wann was nicht mehr geht, ein bißchen loslassen und wieder einen Schritt nach vorn machen kann, muß sowas nicht zwingend ein Endpunkt sein.

So richtig ist mir zu unserm neuen Wochenthema " Strafe muß sein" noch nichts eingefallen, das liegt nicht am Thema, aber meine Gedanken sind augenblicklich etwas einseitig gepolt. Ich gelobe Besserung und werde mich dem Thema demnächst ernsthaft oder nicht ernsthaft widmen. Aber Deine " Eßgewohnheiten" haben mir dazu verholfen, meine nächste Idee für ein Wochenthema zu finden!

Der gute Strelitz ist nicht nur unbeeinflußbar und unweigerlich Strelitz, sondern auch unbeeinflußbar und unweigerlich unterhaltsam, wenn Du strelitzige Geschichten erfindest.

Am großartigsten aber ist unweigerlich der Künstelr ChD, der Song- Texte schreibt, die in allen Lebens- Situationen nutzbringend verwendet werden können und die jede/r, der/ die es vermag, so doppelt- dreifach- hintersinnig anwenden und verstehen kann, wie er/ sie nur will!

Bis demnächst

M(ehr) f(ällt) G(rand Dame Uschi)

jetzt nicht ein.