Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Im Ernst und länger
Hallo mein Lieber,
heute nun meine ernsthaft versprochene, ernsthaft längere Antwort:
Noch etwas schräg im Kopf - weniger vom Alkohol, der hätte mich in dieser Hitze total erlegt, sondern vom Schlafmangel - schaltete ich heute morgen zuerst meinen Computer an, um Deine E- mail zu lesen. Vermutlich leide ich inzwischen unter den 1. Anzeichen von E-mail-Sucht, denn ich hatte noch nicht mal den 1. Schluck Wiederbelebungskaffee getrunken! ( Obwohl - "leiden" ist nicht so das richtige Wort!)Das ich trotzdem erst jetzt Zeit für meine Antwort habe, liegt nur in meinen außerhalb von Seifenblasen befindlichen alltäglichen Verpflichtungen begründet.
Auch ( oder gerade) Deine poetisch- melancholische Stimmung hat mir zwei wertvolle E- mails beschert, die mir den virtuellen E- mail- Schreiber etwas deutlicher und persönlicher zeigen. Da ich Dir ja eine längere Antwort versprochen habe, lasse ich mir jetzt Zeit, mich langsam durch den 1. Stock vorzutasten und dabei Dir etwas zu dem zu schreiben, was Du mir aufgeschrieben hast und Dir gleichzeitig etwas von mir zu erzählen. Die Geschichten, die Du mir diesmal über Dich erzählt hast, haben für mich, Du hast es poetisch gesagt, "einen Wert an sich". Was ich von mir erzählen könnte und heute auch ein wenig erzählen werde, ist weitaus alltäglicher und viel davon hängt mit meinem Job zusammen, der für mich viel mehr als nur das ist.
Ich habe das große Glück mit einem überaus engagierten, kämpferischen Team zu arbeiten und wir teilen alle den Denkansatz, immer wieder den Versuch zu wagen, benachteiligten Kindern Wege in ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Kommunikationstraining hat nämlich nicht nur etwas mit der Beratung von "Rockstars" (ich hoffe, Du verzeihst mir diesen Ausdruck) zu tun. Geld wird woanders verdient. Die Benachteiligungen, mit denen z. B. unsere Kreuzberger Kinder aufwachsen, liegen nicht nur in dem sozialen Umfeld oder der Tatsache, daß viele sogenannter "nichtdeutscher Herkunft" sind. Seit einiger Zeit arbeite ich für für eine Integrationsschule, bei der gemeinsame Erziehung und Bildung von behinderten und nichtbehinderten Kindern praktiziert wird.
Die äußeren Bedingungen meiner Arbeit dort werden täglich schlechter und ich habe immer mehr das Gefühl, als würde ich Bälle gegen eine Mauer spielen, von der sie abprallen und wieder zurückkommen - also ein Boomerang-Spiel in weniger optimistischer Variante. Immer öfter stecke ich in Situationen, in denen ich mich total hilflos fühle, weil ich Kindern nicht mehr helfen kann - das sind die Gelegenheiten, in denen ich melancholisch werde. Ich brauche dann einige Zeit, um mit meinem üblichen Kampfgeist wieder in`s Rennen zu ziehen. In einer solchen Situation stecke ich gerade jetzt und in- so- ferner- Nähe ist ein großer Teil meiner " Sternenlast" der Tatsache geschuldet, daß ich einfach - ich weiß nicht, warum, aber ich lebe mit dieser Gabe - mehr sehe als andere.
Manchmal genügt mir ein Blick in die Augen eines Kindes und ich sehe, welche Last es mit sich herum trägt. Ich komme mir manchmal vor, als hätte ich Augen am Hinterkopf, Ohren an den Füßen und Empfangsantennen im Gehirn. So hilfreich eine solche Begabung in meinem Job auch ist, glaube mir, ich habe sie schon manchmal verflucht! - Soweit die ernsthaften Mitteilungen über mich!
Jetzt zu einem Thema, welches zu mir passt, zu Dir und zu dem von Dir erwähnten Hörspiel über den 9. November 1989 - ich würde es Dir gern als „Wochenthema“ vorschlagen: „Mauern in den Köpfen?“
Warum? - Du ahnst oder weißt es längst, wie ich auch! Auf diesem ominösen Moebius- Band sind sich ein Wessi und eine Ossi begegnet! Warum können manch andere nicht, was wir virtuell können - nämlich miteinander "reden" und einander " zuhören"? Oder können es alle und der o.g. Spruch stammt aus journalistischen Sommer-Loch-Gehirnen? Was denkst Du?
Zum Schluß meiner ernsthaften und auch längeren E-mail eine leichtgewichtige, amüsante Short- Story aus dem wahren, alltäglichen Leben einer BVG-Benutzerin, die zu Deinem Song "Gute Gründe" passt:
Am Donnerstag auf dem Heimweg im Bus wurde ich zwangsläufig, da ohne meinen Willen, ZuhörerIN einer relativ lauten Unterhaltung eines Paares. Sie saßen beide hinter mir, ich drehte mich erst beim Aussteigen um und sah zwei etwa 17jährige. Beider Dialog begann: ER „Ick vastehe jar nich, wieso du zu die Nachhilfe jehst!“ / SIE „Ich denke eben an meine Zukunft.“ - Kurzes Schweigen, abgelöst von einer ausgesprochen schwerwiegenden Diskussion übers „Fremdgehen“ und die Treue, die letztlich in einer klaren An- oder Aussage, vielleicht eher Aussage, von ihm gipfelten. ER „Also meene Schwesta is schon seit vier Jahre mit een Typen zusamm un die is dem ooch schon fremdjejangen, aber der hat sie immer allet verzeiht!“
Beim Aussteigen war ich kurze Zeit in der heftigen Versuchung, zu dem Mädchen zu sagen: „Um Gottes willen, renne bloß weit weg! - Frau kann ja Männern einiges verzeihen, aber nicht, daß sie nicht sprechen können!“
Ich habe es mir verkniffen - ich bin sicher, in spätestens 20 Jahren hat sie es dann selbst begriffen!
M(it) F(reude) G(rüßt) Uschi Charly
1. Nachtrag: Das Moebius-Band fängt an, sich in meinem Kopf einzunisten - wenn es nicht schon drin ist - als eine weltanschauliche Variante, die mich sowohl neugierig macht, als auch beginnt, mich zu verwundern. Daß Du mir ausgerechnet dann eine E-mail mit einem Rat für Verheiratete schickst, wenn ich auf dem Weg zu einer Hochzeit bin, macht mich sehr nachdenklich!
2. Nachtrag: Ich hoffe, daß „alles wie von selbst geht“ und Du viel Spaß und Glück in Hannover hast und trotzdem noch Zeit findest, mir be-denkenswerte E- mails zu schreiben!
Original-E-Mails zwischen Charly Davidson und Ursula Maus, bekannt aus dem Buch "CHARLY DAVIDSON - ROCKLEGENDE" | Auszugsweise Veröffentlichung der E-Mails mit ergänzenden Bemerkungen | © 2009 bei Rainer W. Sauer | Sämtliche Urheberrechte sind vorbehalten! / www.worteundmusik.de
Mittwoch, 26. August 2009
Freitag, 7. Juli 2000 @ 16:20:04
Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Handtaschenpoesie
Trotz Hoch-Zeiten in Berlin: „Ich reiste im Traum nach Kottbus und ließ dortselbst meine Handtasche stehen. Jetzt muß ich zurückträumen und sie holen“ (Tucholsky)
Hallo Uschi,
das ist für mich Poesie und wenn ich ein richtiger Deutscher wäre, so durch und durch, da würde ich gleich anfangen zu Katalogisieren: Also es ist wahrscheinlich Traumpoesie, könnte aber auch Reisepoesie sein, wenn nicht sogar Handtaschenpoesie... #### STOP! - Der stille Poet geniesst und schweigt.
Ich freue mich, dass Du nicht irritiert warst wg. meiner Schlussbemerkung bezüglich den Ehepartnern sondern sie gleich für einen guten Zweck nutzt. - Für virtuelle Sprachreisen gilt natürlich das gleiche, wie für das richtige Leben. Ein flüchtiges Eintauchen in die Lebensgeschichte eines fremden Menschen hat einen Wert an sich. Aber nicht über-treiben. Der Schuß kann auch nach hinten losgehen. Daher ein klein wenig frische Poesie, die ich für unsere morgen beginnenden EXPO-Auftritte geschrieben habe ... sozusagen hier erwähnt als gegenol zum Hochzeitsspruch. Den Song habe ich "Gute Gründe" genannt:
„Gute Gründe gibt es, dich zu hassen
Meine Finger von Dir zu lassen.
Mit Treue ist einfach ncht zu spaßen
Weshalb sollte ich dir das durchgehen lassen?
Gute Gründe gibt es, dich nicht zu lieben
Tausend Mal hab ich Dir das schon geschrieben.
Trotzdem will ich mit dir heute 6 vor 7
Und ich werd dich dabei animalisch lieben.“
So und nicht anders ist das manchmal im Leben.
Doch wieder zurück in den ersten Stock. Und da wohnt Nietzsche (natürlich neben Apolda, das ur ein aar Kilos von Jena weg ist, wo meine Frau und ich auch noch ein Haus besitzen). Er, der zeitlebens die Sprache hinter den Worten vernahm, der mit der Mentalität eines Maulwurfs in die Abgründe der menschlichen Seele blickte, damit den schönen Schein unterminierte - war er jemals abergläubig? Heinrich Mann nannte das einmal so: Nietzsche sei stetig
„...hin und hergetrieben, zwischen Christentum, Skepsis, Glauben und Aberglauben, Verneinung und Jasagen.“
Am Ende seines Lebens jedoch erkannte Nietzsche (so jedenfalls sagt es das Nietzsche-Archiv in Weimar), dass das Leben so zu nehmen sei, wie es ist. Eine Erlösung im Jenseits, wie es die Christen erhoffen, noch im Diesseits, wie es die Atheisten erwarteten, gibt es nicht. Den Menschen, der in die furchtbare Grausamkeit des Lebens geschaut hat „...rettet die Kunst. Und durch die Kunst rettet ihn sich - das Leben!“ - Da ist sie dann wieder, die endlose Schleife.
Verwirrt wendet man sich da nach Krea. Die Kreter sind nicht gerade als Poeter bekannt und still waren sie auch nicht. Epimenides wäre kein richtiger Kreter, wenn er schweigen würde. Macht er auch nicht. Und obwohl es nicht gerade viel ist, was er sagt, so bildet es doch den Grundstock für das, was Hofstadter in GEB erklärt.
Also Epimenides, der Kreter sagt: ‘Alle Kreter lügen!’. - Denn wenn er die Wahrheit spricht, dann lügt er tatsächlich. Sollte er aber lügen, dann hat er mit seiner Aussage recht. - Ja, ja: Die endlose Schleife. Soviel aus Kreta (...und zwar so viel, dass es immerhin für mehr als 2.500 Jahre Nachdenken gereicht hat, ohne Aussicht auf Lösung.), zurück in den ersten Stock und dort besitzt natürlich auch Hofstadter ein Appartement. Sein GEB-Buch hat inzwischen auf die (realle) „A. I.“ Forschung großen Einfluss genommen; da kann er sich so etwas leisten. Da Du und ich nur auf der Durchreise sind, SPIEL(berg)T das für uns keine ROLLE.
Mir fällt gerade ein, dass Dir die ISBN-Nummer vielleicht weiterhelfen könnte. Hofstadters „Gödel / Escher / Bach“ hat bei KLETT die Nr. 3-608-93037-X oder als DTV-Taschenbuch die Nr. 3-423-30017-5.
Und jetzt noch einmal etwas Kästner-Reise-Poesie zum Abschluß:
„Während ich hier bin, wäre ich gern da und dort. Indes ich bei dir bin, wäre ich gern fort. Man ist in sich verbannt und gefangen für alle Zeit. Im Krönungsmantel und auch ganz ohne Kleid. Mit dunklem Flügelschlag ziehn stumm die Wünsche dahin. Ist hier Nacht, ist woanders Tag. Sag mir doch wo ich bin! Während ich dich liebe, schreibt ein anderer sein erstes Gedicht. Während ich dich liebe, liebst du mich nicht.“
Kästner mßs oft unglücklich verliebt gewesen sein.
MfG und der ernsthaften Absicht, Deine längere Antwort abzuwarten.
ChD
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Handtaschenpoesie
Trotz Hoch-Zeiten in Berlin: „Ich reiste im Traum nach Kottbus und ließ dortselbst meine Handtasche stehen. Jetzt muß ich zurückträumen und sie holen“ (Tucholsky)
Hallo Uschi,
das ist für mich Poesie und wenn ich ein richtiger Deutscher wäre, so durch und durch, da würde ich gleich anfangen zu Katalogisieren: Also es ist wahrscheinlich Traumpoesie, könnte aber auch Reisepoesie sein, wenn nicht sogar Handtaschenpoesie... #### STOP! - Der stille Poet geniesst und schweigt.
Ich freue mich, dass Du nicht irritiert warst wg. meiner Schlussbemerkung bezüglich den Ehepartnern sondern sie gleich für einen guten Zweck nutzt. - Für virtuelle Sprachreisen gilt natürlich das gleiche, wie für das richtige Leben. Ein flüchtiges Eintauchen in die Lebensgeschichte eines fremden Menschen hat einen Wert an sich. Aber nicht über-treiben. Der Schuß kann auch nach hinten losgehen. Daher ein klein wenig frische Poesie, die ich für unsere morgen beginnenden EXPO-Auftritte geschrieben habe ... sozusagen hier erwähnt als gegenol zum Hochzeitsspruch. Den Song habe ich "Gute Gründe" genannt:
„Gute Gründe gibt es, dich zu hassen
Meine Finger von Dir zu lassen.
Mit Treue ist einfach ncht zu spaßen
Weshalb sollte ich dir das durchgehen lassen?
Gute Gründe gibt es, dich nicht zu lieben
Tausend Mal hab ich Dir das schon geschrieben.
Trotzdem will ich mit dir heute 6 vor 7
Und ich werd dich dabei animalisch lieben.“
So und nicht anders ist das manchmal im Leben.
Doch wieder zurück in den ersten Stock. Und da wohnt Nietzsche (natürlich neben Apolda, das ur ein aar Kilos von Jena weg ist, wo meine Frau und ich auch noch ein Haus besitzen). Er, der zeitlebens die Sprache hinter den Worten vernahm, der mit der Mentalität eines Maulwurfs in die Abgründe der menschlichen Seele blickte, damit den schönen Schein unterminierte - war er jemals abergläubig? Heinrich Mann nannte das einmal so: Nietzsche sei stetig
„...hin und hergetrieben, zwischen Christentum, Skepsis, Glauben und Aberglauben, Verneinung und Jasagen.“
Am Ende seines Lebens jedoch erkannte Nietzsche (so jedenfalls sagt es das Nietzsche-Archiv in Weimar), dass das Leben so zu nehmen sei, wie es ist. Eine Erlösung im Jenseits, wie es die Christen erhoffen, noch im Diesseits, wie es die Atheisten erwarteten, gibt es nicht. Den Menschen, der in die furchtbare Grausamkeit des Lebens geschaut hat „...rettet die Kunst. Und durch die Kunst rettet ihn sich - das Leben!“ - Da ist sie dann wieder, die endlose Schleife.
Verwirrt wendet man sich da nach Krea. Die Kreter sind nicht gerade als Poeter bekannt und still waren sie auch nicht. Epimenides wäre kein richtiger Kreter, wenn er schweigen würde. Macht er auch nicht. Und obwohl es nicht gerade viel ist, was er sagt, so bildet es doch den Grundstock für das, was Hofstadter in GEB erklärt.
Also Epimenides, der Kreter sagt: ‘Alle Kreter lügen!’. - Denn wenn er die Wahrheit spricht, dann lügt er tatsächlich. Sollte er aber lügen, dann hat er mit seiner Aussage recht. - Ja, ja: Die endlose Schleife. Soviel aus Kreta (...und zwar so viel, dass es immerhin für mehr als 2.500 Jahre Nachdenken gereicht hat, ohne Aussicht auf Lösung.), zurück in den ersten Stock und dort besitzt natürlich auch Hofstadter ein Appartement. Sein GEB-Buch hat inzwischen auf die (realle) „A. I.“ Forschung großen Einfluss genommen; da kann er sich so etwas leisten. Da Du und ich nur auf der Durchreise sind, SPIEL(berg)T das für uns keine ROLLE.
Mir fällt gerade ein, dass Dir die ISBN-Nummer vielleicht weiterhelfen könnte. Hofstadters „Gödel / Escher / Bach“ hat bei KLETT die Nr. 3-608-93037-X oder als DTV-Taschenbuch die Nr. 3-423-30017-5.
Und jetzt noch einmal etwas Kästner-Reise-Poesie zum Abschluß:
„Während ich hier bin, wäre ich gern da und dort. Indes ich bei dir bin, wäre ich gern fort. Man ist in sich verbannt und gefangen für alle Zeit. Im Krönungsmantel und auch ganz ohne Kleid. Mit dunklem Flügelschlag ziehn stumm die Wünsche dahin. Ist hier Nacht, ist woanders Tag. Sag mir doch wo ich bin! Während ich dich liebe, schreibt ein anderer sein erstes Gedicht. Während ich dich liebe, liebst du mich nicht.“
Kästner mßs oft unglücklich verliebt gewesen sein.
MfG und der ernsthaften Absicht, Deine längere Antwort abzuwarten.
ChD
Freitag, 7. Juli 2000 @ 08:41:30
Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Text in Eile
Guten Morgen mein Lieber,
eben habe ich Deine aufschlußreiche Mail gelesen. Danke für die schnelle " Post". Du mußt Dich jedoch heute mit dieser superkurzen Nachricht begnügen.
Ich werde jetzt meine Freundin verheiraten und ihr als Trauzeugin Deine Worte an die Ehepartner mit geben. In diesem Zusammenhang fange ich langsam an, dem mir noch kaum bekannten Moebius- Band zu vertrauen.
Grüße in Eile, aber mit der ernsthaften Absicht, Dir morgen wieder länger zu schreiben
Uschi
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Text in Eile
Guten Morgen mein Lieber,
eben habe ich Deine aufschlußreiche Mail gelesen. Danke für die schnelle " Post". Du mußt Dich jedoch heute mit dieser superkurzen Nachricht begnügen.
Ich werde jetzt meine Freundin verheiraten und ihr als Trauzeugin Deine Worte an die Ehepartner mit geben. In diesem Zusammenhang fange ich langsam an, dem mir noch kaum bekannten Moebius- Band zu vertrauen.
Grüße in Eile, aber mit der ernsthaften Absicht, Dir morgen wieder länger zu schreiben
Uschi
Freitag, 7. Juli 2000 @ 03:17:11
Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Alles zu SEINER Zeit
Hallo meine liebe Uschi,
diesmal eine (flotte) Antwort über dem Datenhighway.
Das GEB-Prinzip des endlosen geflochtenen/verdrehten Moebiusbandes habe ich Dir schon nahegelegt. Deshalb möchte ich Dir noch ein paar Dinge über mich schreiben, die ich für interessant halte; Geschichten aus meinem Leben, die sich alle nach diesem Prinzip zugetragen haben:
Manchmal bringt einen dieses Moebius(Förder-)Band auch vor der Zeit ans Ziel. Auch dieses Prinzip ist bekannt, ich nenne es hier das Jules-Verne-Prinzip, aber es könnte auch Leonardos Prinzip heissen; man/frau ist auf jeden Fall der Zeit etwas voraus.
Mitte der Achtziger war so eine Zeit und wieder ging alles wie von selbst. Mit meiner Musikgruppe war ich einige Zeit in Wales, 1984 war das. Wie ich später erfuhr, war auch der Schriftsteller Arthur C. Clarke („2001“) damals in Wales. Wir überlegten das Konzept unseres Albums „Zeichensprache“ und kamen auf bestimmte Song-Ideen und zwar a) Umweltverschmutzung, b) Experten-Systeme in der Computerwelt, c) Die große Flut aufgrund der Erderwärmung, d) Zivilisationsprobleme. - All das ist auf dem Cover von „Zeichensprache“ zu lesen, auf der Platte zu hören.Zwei Jahre später veröffentlicht ACC ein Buch mit Titel „2019-07-20“ (es spielt 50 Jahre nach der Mondlandung). In dem Buch geht es unter anderem um: Umweltverschmutzung, Experten-Systeme in der Computerwelt, die große Flut aufgrund der Erderwärmung, Zivilisationsprobleme. Keine Zauberei, denn das lag wohl in der Luft. - Natürlich halten diese Anmerkungen von mir keinerlei wissenschaftlicher Prüfung stand; ACC hätte sich ja mit uns absprechen können oder wir haben vielleicht sein Manuskript gestohlen u. s. w. - Wer weiß?
Doch zur gleichen Zeit moderierte ich beim hr das„Synthesizermagazin“ und diese Sendung entwickelte sich zum Start-Up (wie man heute sagen könnte) der Rhein-Main-Technoszene und zwar wie es sich gehört auf re-aktiver Ebene. Damals gab es noch nicht einmal New Beat, geschweige denn Techno. Aber mit meinem Versuch durch diese Radiosendung die Elektromusik zu bewerben und weiterzu(ver)treiben, entdeckten DJs und ganz normale Leute ihre Liebe für Synthesizer und elektronische Musik und fingen an zu experimentieren. Drei Jahre später gab es die ersten Techno-Clubs und Partys und später kam dann auch Mayday und die Loveparade ... und ich habe damals nichts weiter getan als die Samen zu verstreuen.
Und an noch eine Entwicklung kurze Zeit später erinnere ich mich: William Gibson beschreibt Mitte der achtziger Jahre in seiner Trilogie („Neuromancer“/“Count Zero“/“Mona Lisa Overdrive“) die Cyberwelt. Gibsons Trilogie habe ich seinerzeit regelrecht verschlungen und damals auch musikalisch verarbeiten lassen von dem Polen Artur Lason in seinem Opus ‘Liaison 88’. Das war lange bevor sich der Cyberkult entwickelte. Später sagte man uns: „Das habt ihr garantiert nicht damals aufgenommen, das ist ein Fake.“ - Glaub' mir: Genau so und nicht anders ist mein Leben!
Das letzte Beispiel ist ganz frisch, ich habe erst gestern Abend davon erfahren. Mit dem Dokumentarhörspiel „9. November 1989“, das Rainer Sauer, ein Freund von mir und ich (allerdings unter dem Pseudonym Marek Westfeld) zwischen 1994 und 1999 hergestellt haben, gewannen wir den Thüringer Hörfunkpreis 2000 (wird aber erst Anfang nächsten Jahres verliehen!). Stellvertretend für verschiendene Meinungen zwei Zitate aus dem Schreiben unseres Kultusministers zu Hörfunkpreis: „Mit der Intention des Hörspiels begeben sich Sauer und Westfeld in einen Bereich, der ideal zu dem passt, was wir im Ministerium gerade beginnen wollen: mit einfachen Mitteln Medienkompetenz für junge Leute schaffen.“ - Manchmal geht eben alles von selbst!
Morgen wird es garantiert poetischer; heute war ich etwas sachlich.
MfG ChD
An alle Verheirateten: Ehret Eure Ehepartner; nehmt Euch Zeit für einander! Das mit dem Dicken habe ich kommen sehen - und er wohl auch.
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Alles zu SEINER Zeit
Hallo meine liebe Uschi,
diesmal eine (flotte) Antwort über dem Datenhighway.
Das GEB-Prinzip des endlosen geflochtenen/verdrehten Moebiusbandes habe ich Dir schon nahegelegt. Deshalb möchte ich Dir noch ein paar Dinge über mich schreiben, die ich für interessant halte; Geschichten aus meinem Leben, die sich alle nach diesem Prinzip zugetragen haben:
Manchmal bringt einen dieses Moebius(Förder-)Band auch vor der Zeit ans Ziel. Auch dieses Prinzip ist bekannt, ich nenne es hier das Jules-Verne-Prinzip, aber es könnte auch Leonardos Prinzip heissen; man/frau ist auf jeden Fall der Zeit etwas voraus.
Mitte der Achtziger war so eine Zeit und wieder ging alles wie von selbst. Mit meiner Musikgruppe war ich einige Zeit in Wales, 1984 war das. Wie ich später erfuhr, war auch der Schriftsteller Arthur C. Clarke („2001“) damals in Wales. Wir überlegten das Konzept unseres Albums „Zeichensprache“ und kamen auf bestimmte Song-Ideen und zwar a) Umweltverschmutzung, b) Experten-Systeme in der Computerwelt, c) Die große Flut aufgrund der Erderwärmung, d) Zivilisationsprobleme. - All das ist auf dem Cover von „Zeichensprache“ zu lesen, auf der Platte zu hören.Zwei Jahre später veröffentlicht ACC ein Buch mit Titel „2019-07-20“ (es spielt 50 Jahre nach der Mondlandung). In dem Buch geht es unter anderem um: Umweltverschmutzung, Experten-Systeme in der Computerwelt, die große Flut aufgrund der Erderwärmung, Zivilisationsprobleme. Keine Zauberei, denn das lag wohl in der Luft. - Natürlich halten diese Anmerkungen von mir keinerlei wissenschaftlicher Prüfung stand; ACC hätte sich ja mit uns absprechen können oder wir haben vielleicht sein Manuskript gestohlen u. s. w. - Wer weiß?
Doch zur gleichen Zeit moderierte ich beim hr das„Synthesizermagazin“ und diese Sendung entwickelte sich zum Start-Up (wie man heute sagen könnte) der Rhein-Main-Technoszene und zwar wie es sich gehört auf re-aktiver Ebene. Damals gab es noch nicht einmal New Beat, geschweige denn Techno. Aber mit meinem Versuch durch diese Radiosendung die Elektromusik zu bewerben und weiterzu(ver)treiben, entdeckten DJs und ganz normale Leute ihre Liebe für Synthesizer und elektronische Musik und fingen an zu experimentieren. Drei Jahre später gab es die ersten Techno-Clubs und Partys und später kam dann auch Mayday und die Loveparade ... und ich habe damals nichts weiter getan als die Samen zu verstreuen.
Und an noch eine Entwicklung kurze Zeit später erinnere ich mich: William Gibson beschreibt Mitte der achtziger Jahre in seiner Trilogie („Neuromancer“/“Count Zero“/“Mona Lisa Overdrive“) die Cyberwelt. Gibsons Trilogie habe ich seinerzeit regelrecht verschlungen und damals auch musikalisch verarbeiten lassen von dem Polen Artur Lason in seinem Opus ‘Liaison 88’. Das war lange bevor sich der Cyberkult entwickelte. Später sagte man uns: „Das habt ihr garantiert nicht damals aufgenommen, das ist ein Fake.“ - Glaub' mir: Genau so und nicht anders ist mein Leben!
Das letzte Beispiel ist ganz frisch, ich habe erst gestern Abend davon erfahren. Mit dem Dokumentarhörspiel „9. November 1989“, das Rainer Sauer, ein Freund von mir und ich (allerdings unter dem Pseudonym Marek Westfeld) zwischen 1994 und 1999 hergestellt haben, gewannen wir den Thüringer Hörfunkpreis 2000 (wird aber erst Anfang nächsten Jahres verliehen!). Stellvertretend für verschiendene Meinungen zwei Zitate aus dem Schreiben unseres Kultusministers zu Hörfunkpreis: „Mit der Intention des Hörspiels begeben sich Sauer und Westfeld in einen Bereich, der ideal zu dem passt, was wir im Ministerium gerade beginnen wollen: mit einfachen Mitteln Medienkompetenz für junge Leute schaffen.“ - Manchmal geht eben alles von selbst!
Morgen wird es garantiert poetischer; heute war ich etwas sachlich.
MfG ChD
An alle Verheirateten: Ehret Eure Ehepartner; nehmt Euch Zeit für einander! Das mit dem Dicken habe ich kommen sehen - und er wohl auch.
Donnerstag, 6. Juli 2000 @ 18:50:33
Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Vergnügungssüchtig
Hallo mein Lieber,
internet-t, Dich im 1. Stock zu treffen!
Mit solcher Leichtigkeit in den 1. Stock vorzudringen, liegt ohne jeden Zweifel daran, daß ich unsere virtuellen Gespräche als ausgesprochen vergnüglich und be- denkenswert empfinde. Es ist das reine Vergnügen, zu denken und dieses virtuell Dir mit zu teilen und mit Dir zu teilen.
Ja, Strauß hat wirklich " züchten" geschrieben und mit Sicherheit auch so gemeint! Und ich finde, er hat ja sooo recht! Ich bin weder " Verleger-In" von Musik noch von Radio, obwohl ich manchmal etwas verlege. An einem Punkt hast Du mich mißverstanden: Ich hatte geschrieben, daß es mir gelang aus dem Buch wieder aufzutauchen und den Plan zu begreifen - ich weiß nur nicht, warum mir das gelang!
Da wir uns damit beschäftigen, uns über Themen auszutauschen, die nicht leicht zu verstehen sind, habe ich mit Deinem theoretischen Exkurs überhaupt kein Problem:
1. lese ich inzwischen Deine E- mails öfter als nur einmal - das steigert die Chance zu begreifen und
2. werde ich in den, sich zum Glück in meiner Sichtweite befindlichen, Sommerferien wissen, was ich unbedingt lesen muß/will. ( Meine Eindrücke werde ich Dir - sofern unser Fernsprachspiel bei Dir nicht zu Erschöpfungszuständen führt - nicht vorenthalten.)
Zum Thema Aberglauben noch mal eine ketzerische, also abergläubige, Fragestellungs- Erkenntnis:
A. als Teil einer menschlichen Grundeinstellung hat vielleicht eine tiefere Ursache als nur die phantasievolle Version menschlicher Erklärungs-Bedürftigkeit; vielleicht verbirgt sich dahinter der Wusch, an etwas oder an jemanden glauben zu können. Vielleicht - wieder eine meiner ketzerischen Fragen - ist mensch nicht mehr des Lebens fähig, wenn er an nichts mehr glauben kann - unter Umständen nicht mal mehr an sich selbst!? ( Übrigens eine echte Gefahr für Sternenlast-Träger ohne einen PUCK als persönlichen Begleiter!)
Möglicherweise spiegelt sich das in Deiner Erkenntnis über die bei allen Völkern ähnlichen Grundanschauungen des A. Und jetzt noch aber- gläubiger, resp. ketzerischer: Sind nicht alle religiösen Glaubensbekenntnisse eine Folge dieser menschlichen Glaubens- Sehnsucht, also letztendlich im ABERGLAUBEN begründet?!
Du solltest öfter Geschichten schreiben, und "nicht nur,aber auch, über" Kilian. An Themen kann es Dir doch nicht mangeln, da Du offensichtlich ebenso wie ich einen Blick für die skurilen Seiten des alltäglichen Lebens hast.
Mit denk(bar) vergnügten Grüßen von Uschi ...
... die sich auf der Suche nach dem Moebius-Band befindet und Dir versichert, ohne Erschöpfung im 1. Stock angekommen zu sein!
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Vergnügungssüchtig
Hallo mein Lieber,
internet-t, Dich im 1. Stock zu treffen!
Mit solcher Leichtigkeit in den 1. Stock vorzudringen, liegt ohne jeden Zweifel daran, daß ich unsere virtuellen Gespräche als ausgesprochen vergnüglich und be- denkenswert empfinde. Es ist das reine Vergnügen, zu denken und dieses virtuell Dir mit zu teilen und mit Dir zu teilen.
Ja, Strauß hat wirklich " züchten" geschrieben und mit Sicherheit auch so gemeint! Und ich finde, er hat ja sooo recht! Ich bin weder " Verleger-In" von Musik noch von Radio, obwohl ich manchmal etwas verlege. An einem Punkt hast Du mich mißverstanden: Ich hatte geschrieben, daß es mir gelang aus dem Buch wieder aufzutauchen und den Plan zu begreifen - ich weiß nur nicht, warum mir das gelang!
Da wir uns damit beschäftigen, uns über Themen auszutauschen, die nicht leicht zu verstehen sind, habe ich mit Deinem theoretischen Exkurs überhaupt kein Problem:
1. lese ich inzwischen Deine E- mails öfter als nur einmal - das steigert die Chance zu begreifen und
2. werde ich in den, sich zum Glück in meiner Sichtweite befindlichen, Sommerferien wissen, was ich unbedingt lesen muß/will. ( Meine Eindrücke werde ich Dir - sofern unser Fernsprachspiel bei Dir nicht zu Erschöpfungszuständen führt - nicht vorenthalten.)
Zum Thema Aberglauben noch mal eine ketzerische, also abergläubige, Fragestellungs- Erkenntnis:
A. als Teil einer menschlichen Grundeinstellung hat vielleicht eine tiefere Ursache als nur die phantasievolle Version menschlicher Erklärungs-Bedürftigkeit; vielleicht verbirgt sich dahinter der Wusch, an etwas oder an jemanden glauben zu können. Vielleicht - wieder eine meiner ketzerischen Fragen - ist mensch nicht mehr des Lebens fähig, wenn er an nichts mehr glauben kann - unter Umständen nicht mal mehr an sich selbst!? ( Übrigens eine echte Gefahr für Sternenlast-Träger ohne einen PUCK als persönlichen Begleiter!)
Möglicherweise spiegelt sich das in Deiner Erkenntnis über die bei allen Völkern ähnlichen Grundanschauungen des A. Und jetzt noch aber- gläubiger, resp. ketzerischer: Sind nicht alle religiösen Glaubensbekenntnisse eine Folge dieser menschlichen Glaubens- Sehnsucht, also letztendlich im ABERGLAUBEN begründet?!
Du solltest öfter Geschichten schreiben, und "nicht nur,aber auch, über" Kilian. An Themen kann es Dir doch nicht mangeln, da Du offensichtlich ebenso wie ich einen Blick für die skurilen Seiten des alltäglichen Lebens hast.
Mit denk(bar) vergnügten Grüßen von Uschi ...
... die sich auf der Suche nach dem Moebius-Band befindet und Dir versichert, ohne Erschöpfung im 1. Stock angekommen zu sein!
Donnerstag, 6. Juli 2000 @ 12:59:23
Von: charts@charlydavidson.com
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Das Universum zelebriert E2-E4
Hallo Uschi, willkommen im ersten Stock!
Eines muss einmal gesagt werden: Egal, was der eine oder die andere über unsere Sprachspiele sagen würde/n, wenn sie sie denn lesen sollten: Mir macht es Spass mit jemandem wie Dir zu kommunizieren. Und Du weist ja auch, man soll im Leben das tun, was Spass macht und was man gut kann.
Ad hoc
Du hast erwähnt, daß Du das Werk von Botho Strauß liebst; seiner Sicht der Dinge kann ich nur zustimmen. Im Gegensatz zu ihm habe ich mich aber von der Musik auf das Radio verlegt (...bin ich deshalb schon ein Verleger?...). Übrigens sagte ARIEL mir gerade, dass es nicht nur bei Shakespeare ‘...Dinge zwischen Himmel und Erde (gäbe), die sich unsere Schulweisheit nicht träumen läßt’ sondern auch bei Goethes Faust -er muss es ja schließlich wissen- und anderswo.
Nochmal zum Aberglauben; etwas länger diesmal, aber so gut wie abschließend: Ich persönlich bin weniger abergläubig und mehr gläubig. Ich glaube an naturwissenschaftliche Gesetze und deren Konsequenzen unter Berücksichtigung eklektisch übernommerer Erkenntnisse, sofern diese unwiderlegbar richtig erscheinen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Dein Weg, über Ecos Focaultsches Pendel vom Erdgeschoss in den 1. und 2. Stock unseres Denk- und Sprachspieles vorzudringen erfolgreich sein wird. Deine Sucht-Erscheinungen beim Lesen kann ich ebenso verstehen wie die faszinierende Erkenntnis, Menschen zu begegnen, die in der Lage sind, die weltgeschichtlichen Zusammenhänge zu glauben. - Aber dann hast Du gesagt, Du hättest es nicht geschafft, daraus wieder aufzutauchen und den Plan Ecos zu begreifen.
Mir ging das bei meinem Denk-Bezugsbuch anfangs ebenso. „Goedel/Escher/Bach“ von Hofstaedter offenbart in bestimmter Weise den ‘universalen Plan’ und dies m. A. n. ähnlich wie Eco, aber eben viel wissenschaftlicher. Im einen Fall ist es das hin und her schwingende Pendel; im anderen Fall das endlose geflochtene Moebius-Band. Mir gefiel das Band immer besser als das Pendel, weil es sich in sich dreht um wieder zurückzukehren. (Das ‘Pendel’ laß ich bei meinem Onkel und auf „G/E/B“ kam ich über die Würdigung in Bestsellerlisten).
Du kennst das ja, man liest sich erst dann richtig fest, wenn man den Bezug zu einer Sache findet. Und Leidenschaft für eine Sache, (hier könnte man sagen: Ideen-Patriotismus während frau sagt: Begreifen) entsteht durch den persönlichen Bezug. Mein Bezug zu „G/E/B“ war mein Glaube an naturwissenschaftliche Gesetze und deren Konsequenzen. Und mit Verwirrung stellte ich fest, dass es 1.) höchstwahrscheinlich stimmte, was Hofstadter zusammengetragen hatte und dass 2.) vieles in meinem Handeln und Arbeiten und Denken (automatisch? / selbstverständlich?) vom Grundsatz des Moebiusbandes bestimmt war.
Das G/E/B-Prinzip fand sich für mich schnell überall: Das Herz pumpt das Blut endlos durch den Körper; unser Lebensrhythmus ist von ständigen Wiederholungen geprägt (...Schlafen / Aufwachen / Arbeiten / Essen / Ermüden / Schlafen...); im Schach spielt man E2-E4; das Universum zelebriert tagtäglich die Entstehung und den Tod von Sternen aus denen wieder neue Sterne entstehen, die später sterben etc.; Geschichte wiederholt sich ständig; selbst das menschliche Leben läuft auf dieser Moebius-Bahn ab und die immer währende Verdrehung des DNS-Bandes bringt ähnliches aber unterschiedliches Leben mit sich.
Und ich? Ich schrieb ohne es zu ahnen G/E/B-Gedichte ('Zufall’ kennst Du ja schon), konstruierte G/E/B-Melodieleitern und war schon längst bei Radio Jena bevor ich über haupt richtig Radio machte: „radiojenanejoidaradiojenanejoida“. Ich fand nämlich heraus, dass das Wort „radio“, vorwärts und anschließend rückwärts abgespielt ein Band ergibt, eine Wort-Schleife mit einem überraschendem Ergebnis: „radiojena“. (Kaum zu glauben, aber den Beweis habe ich schon oft nachgeliefert!)
Wäre ich hier abergläubig gewesen, hätten mich solche Dinge mglw. erschreckt. Da ich aber GLÄUBIG war in das G/E/B-Prinzip, den ‘großen Plan’ wie Du es schilderst, kam mir alles nur logisch und konsequent vor. --- Mich wundert heutzutage nichts mehr!
Wenn Du scharf nachschaust, findest Du das Moebiusband in vielen Dingen, die ich schreibe, Dienstag, lebe. Aber nicht aufgesetzt reaktiv sondern entspannt aktiv nach dem HB-Männchen Prinzip: Es geht alles wie von selbst!
Ich denke, dass das, was ich gerade erzählt habe, nicht ganz einfach zu verstehen ist (vor allem, wenn Dir das Bezugs-Buch fehlt), aber einerseits stehst Du ja selbst schon mit einem Bein im 1. Stock und andererseits, so theoretisch wie eben fabuliere ich normalerweise im real-existierenden Leben nicht und ich muss mich dort auch, wie jeder andere Mensch, mit den täglichen Dingen herumschlagen. Da kam mir Dein 'Pendel' gerade recht und zu ihm fiel mir nun aber wirklich nichts passenderes ein.
Ich freue mich, dass Du Freude an meiner Schneeball-Geschichte hattest und daran konntest Du einmal sehen, was ich aktuell so schreibe, wenn ich denn ‘mal schreibe und ein Thema habe.
MfGrüßen an die un-esoterische aber-(manchmal)-glaubende Gabi in einer Welt voller Rätsel, die sich dennoch irgendwie entflechten lassen. - Nochmals: Willkommen im 1. Stock!
ChD
Hier ein kleiner Nachtrag zu Strelitzens Gewichtsproblemen: „Was ich die letzten fünf Jahre gemacht habe? wiederholte Strelitz die Frage seines Freundes. - Ich würd’ sagen: Ich bin dicker geworden.“
An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Das Universum zelebriert E2-E4
Hallo Uschi, willkommen im ersten Stock!
Eines muss einmal gesagt werden: Egal, was der eine oder die andere über unsere Sprachspiele sagen würde/n, wenn sie sie denn lesen sollten: Mir macht es Spass mit jemandem wie Dir zu kommunizieren. Und Du weist ja auch, man soll im Leben das tun, was Spass macht und was man gut kann.
Ad hoc
Du hast erwähnt, daß Du das Werk von Botho Strauß liebst; seiner Sicht der Dinge kann ich nur zustimmen. Im Gegensatz zu ihm habe ich mich aber von der Musik auf das Radio verlegt (...bin ich deshalb schon ein Verleger?...). Übrigens sagte ARIEL mir gerade, dass es nicht nur bei Shakespeare ‘...Dinge zwischen Himmel und Erde (gäbe), die sich unsere Schulweisheit nicht träumen läßt’ sondern auch bei Goethes Faust -er muss es ja schließlich wissen- und anderswo.
Nochmal zum Aberglauben; etwas länger diesmal, aber so gut wie abschließend: Ich persönlich bin weniger abergläubig und mehr gläubig. Ich glaube an naturwissenschaftliche Gesetze und deren Konsequenzen unter Berücksichtigung eklektisch übernommerer Erkenntnisse, sofern diese unwiderlegbar richtig erscheinen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Dein Weg, über Ecos Focaultsches Pendel vom Erdgeschoss in den 1. und 2. Stock unseres Denk- und Sprachspieles vorzudringen erfolgreich sein wird. Deine Sucht-Erscheinungen beim Lesen kann ich ebenso verstehen wie die faszinierende Erkenntnis, Menschen zu begegnen, die in der Lage sind, die weltgeschichtlichen Zusammenhänge zu glauben. - Aber dann hast Du gesagt, Du hättest es nicht geschafft, daraus wieder aufzutauchen und den Plan Ecos zu begreifen.
Mir ging das bei meinem Denk-Bezugsbuch anfangs ebenso. „Goedel/Escher/Bach“ von Hofstaedter offenbart in bestimmter Weise den ‘universalen Plan’ und dies m. A. n. ähnlich wie Eco, aber eben viel wissenschaftlicher. Im einen Fall ist es das hin und her schwingende Pendel; im anderen Fall das endlose geflochtene Moebius-Band. Mir gefiel das Band immer besser als das Pendel, weil es sich in sich dreht um wieder zurückzukehren. (Das ‘Pendel’ laß ich bei meinem Onkel und auf „G/E/B“ kam ich über die Würdigung in Bestsellerlisten).
Du kennst das ja, man liest sich erst dann richtig fest, wenn man den Bezug zu einer Sache findet. Und Leidenschaft für eine Sache, (hier könnte man sagen: Ideen-Patriotismus während frau sagt: Begreifen) entsteht durch den persönlichen Bezug. Mein Bezug zu „G/E/B“ war mein Glaube an naturwissenschaftliche Gesetze und deren Konsequenzen. Und mit Verwirrung stellte ich fest, dass es 1.) höchstwahrscheinlich stimmte, was Hofstadter zusammengetragen hatte und dass 2.) vieles in meinem Handeln und Arbeiten und Denken (automatisch? / selbstverständlich?) vom Grundsatz des Moebiusbandes bestimmt war.
Das G/E/B-Prinzip fand sich für mich schnell überall: Das Herz pumpt das Blut endlos durch den Körper; unser Lebensrhythmus ist von ständigen Wiederholungen geprägt (...Schlafen / Aufwachen / Arbeiten / Essen / Ermüden / Schlafen...); im Schach spielt man E2-E4; das Universum zelebriert tagtäglich die Entstehung und den Tod von Sternen aus denen wieder neue Sterne entstehen, die später sterben etc.; Geschichte wiederholt sich ständig; selbst das menschliche Leben läuft auf dieser Moebius-Bahn ab und die immer währende Verdrehung des DNS-Bandes bringt ähnliches aber unterschiedliches Leben mit sich.
Und ich? Ich schrieb ohne es zu ahnen G/E/B-Gedichte ('Zufall’ kennst Du ja schon), konstruierte G/E/B-Melodieleitern und war schon längst bei Radio Jena bevor ich über haupt richtig Radio machte: „radiojenanejoidaradiojenanejoida“. Ich fand nämlich heraus, dass das Wort „radio“, vorwärts und anschließend rückwärts abgespielt ein Band ergibt, eine Wort-Schleife mit einem überraschendem Ergebnis: „radiojena“. (Kaum zu glauben, aber den Beweis habe ich schon oft nachgeliefert!)
Wäre ich hier abergläubig gewesen, hätten mich solche Dinge mglw. erschreckt. Da ich aber GLÄUBIG war in das G/E/B-Prinzip, den ‘großen Plan’ wie Du es schilderst, kam mir alles nur logisch und konsequent vor. --- Mich wundert heutzutage nichts mehr!
Wenn Du scharf nachschaust, findest Du das Moebiusband in vielen Dingen, die ich schreibe, Dienstag, lebe. Aber nicht aufgesetzt reaktiv sondern entspannt aktiv nach dem HB-Männchen Prinzip: Es geht alles wie von selbst!
Ich denke, dass das, was ich gerade erzählt habe, nicht ganz einfach zu verstehen ist (vor allem, wenn Dir das Bezugs-Buch fehlt), aber einerseits stehst Du ja selbst schon mit einem Bein im 1. Stock und andererseits, so theoretisch wie eben fabuliere ich normalerweise im real-existierenden Leben nicht und ich muss mich dort auch, wie jeder andere Mensch, mit den täglichen Dingen herumschlagen. Da kam mir Dein 'Pendel' gerade recht und zu ihm fiel mir nun aber wirklich nichts passenderes ein.
Ich freue mich, dass Du Freude an meiner Schneeball-Geschichte hattest und daran konntest Du einmal sehen, was ich aktuell so schreibe, wenn ich denn ‘mal schreibe und ein Thema habe.
MfGrüßen an die un-esoterische aber-(manchmal)-glaubende Gabi in einer Welt voller Rätsel, die sich dennoch irgendwie entflechten lassen. - Nochmals: Willkommen im 1. Stock!
ChD
Hier ein kleiner Nachtrag zu Strelitzens Gewichtsproblemen: „Was ich die letzten fünf Jahre gemacht habe? wiederholte Strelitz die Frage seines Freundes. - Ich würd’ sagen: Ich bin dicker geworden.“
Dienstag, 25. August 2009
Mittwoch, 5. Juli 2000 @ 17:49:18
Von: ursula-maus@tkun.de
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Schneebälle sind manchmal das Salz des Erfolges
Charly, Charly,
Du hast mir eine Geschichte geschrieben - weißt Du was das heißt? Und ist Schneeball- Gehirnwäsche per E- mail übertragbar? Nein, eher doch nicht - aberglaube mir: ich hatte meine Freude daran!
Vor meinem geistigen Auge erschienen in einer buchstäblichen Schneewüste alle Verkäufer von Schneebällen, lebensglückbringenden Schafwolldecken und Versicherungen, das alles gut werde. Ich war vor Lachen quasi schneeblind! Du hast mit einer Schneeball-Attacke sozusagen zwei Ziele getroffen! ( Ich hoffe aber, daß Dir morgen wieder wärmer ist und Du Dich in wieder aufgetautem Zustand weiteren schneE - mails an mich widmen kannst!)
Zu Strelitzens gewichtigem Aberglauben ist mir noch was eingefallen: Er könnte mich auf spiralförmigen, hoffentlich schneeberäumten, weil sonst recht rutschigen Wegen bis hin zu Dante führen, aber-glaube ich, daß solche Kaufanstrengung wegen des richtigen Gewichtes außer für teuflische Zwecke kaum von wirklichen Gewicht ist - es sei denn er verdient sein Geld als Schneewaagen- Sachbearbeiter bei Traudl Schneeball! - höchstens für die an Deinem Schrank hängende Verkörperung?! der Originalität lohnt sich solcher Aufwand. ( Der A. an die Allmacht der Personenwaage ist so zeit-gespenstisch wie diese Extreme, denen man täglich begegnet, aberglaube mir: so weit verbreitet wie mittelalterlicher Hexenwahn und der A. an lawinenartige Schneeball- Prozente!)
Da es mir heute in Anbetracht schneeiger Gehirnwäsche nicht mehr zu gelingen scheint, etwas mehr als nur Schnee zu schreiben
verabschiede ich mich für heute
mit auftauenden (!!!) Grüßen
Uschi
An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Schneebälle sind manchmal das Salz des Erfolges
Charly, Charly,
Du hast mir eine Geschichte geschrieben - weißt Du was das heißt? Und ist Schneeball- Gehirnwäsche per E- mail übertragbar? Nein, eher doch nicht - aberglaube mir: ich hatte meine Freude daran!
Vor meinem geistigen Auge erschienen in einer buchstäblichen Schneewüste alle Verkäufer von Schneebällen, lebensglückbringenden Schafwolldecken und Versicherungen, das alles gut werde. Ich war vor Lachen quasi schneeblind! Du hast mit einer Schneeball-Attacke sozusagen zwei Ziele getroffen! ( Ich hoffe aber, daß Dir morgen wieder wärmer ist und Du Dich in wieder aufgetautem Zustand weiteren schneE - mails an mich widmen kannst!)
Zu Strelitzens gewichtigem Aberglauben ist mir noch was eingefallen: Er könnte mich auf spiralförmigen, hoffentlich schneeberäumten, weil sonst recht rutschigen Wegen bis hin zu Dante führen, aber-glaube ich, daß solche Kaufanstrengung wegen des richtigen Gewichtes außer für teuflische Zwecke kaum von wirklichen Gewicht ist - es sei denn er verdient sein Geld als Schneewaagen- Sachbearbeiter bei Traudl Schneeball! - höchstens für die an Deinem Schrank hängende Verkörperung?! der Originalität lohnt sich solcher Aufwand. ( Der A. an die Allmacht der Personenwaage ist so zeit-gespenstisch wie diese Extreme, denen man täglich begegnet, aberglaube mir: so weit verbreitet wie mittelalterlicher Hexenwahn und der A. an lawinenartige Schneeball- Prozente!)
Da es mir heute in Anbetracht schneeiger Gehirnwäsche nicht mehr zu gelingen scheint, etwas mehr als nur Schnee zu schreiben
verabschiede ich mich für heute
mit auftauenden (!!!) Grüßen
Uschi
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